Allmählich zieht Leben in das neue Werk der Firma Magna (hinten) im Gewerbegebiet Meerane ein.
Foto: Wiegand Sturm
Magnas Führungsriege steht
Automobilzulieferer lässt Arbeitsagentur die Vorauswahl über seine Beschäftigten treffen
Meerane. Die Führungsriege der Firma Magna Exteriors & Interiors steht. Die ersten 45 Arbeitsverträge sind unterschrieben. In den nächsten Wochen sollen rund 100 zumeist Produktionsmitarbeiter gesucht werden, mit denen das Unternehmen an den Start gehen möchte. Das erklärte am Freitag der Meeraner Geschäftsführer Hendrik Rothe. Die Suche nach geeignetem Personal hat der österreichisch-kanadische Automobilzulieferer komplett an die Arbeitsagentur Zwickau übergeben.
Laut Agenturchefin Regine Schmalhorst ist das kein Angebot ausschließlich für große Industrieunternehmen: "Wir würden das auch gern für kleine Firmen machen, um sie auf der Suche nach geeignetem Fachpersonal zu entlasten." Der Arbeitgeberservice sichtet Bewerbungen, führt Vorstellungsgespräche, bietet wenn gewünscht Eignungstests an, Trainings, Qualifizierungen. Marco Himmel vom Arbeitgeberservice: "Ein einziger Ansprechpartner kümmert sich um das Unternehmen."
Magna-Geschäftsführer Rothe äußerte sich am Freitag hoch zufrieden über diese Partnerschaft, gab zu, dass er anfangs skeptisch war. Die Geheimhaltung bleibe aber gewahrt. Carsten Krauß, bis September Wirtschaftsförderer der Stadt Zwickau, heute Personalleiter bei Magna: "Wir haben bewusst gesagt, dass wir Leute aus der Region beschäftigen möchten." Bisher habe das zu 95 Prozent geklappt. An einigen Stellen sei es sogar gelungen, Menschen, die nur außerhalb Arbeit finden konnten, wieder nach Westsachsen zurückzuholen, sagt Krauß. Geschäftsführer Rothe selbst stammt aus der Görlitzer Ecke.
Es sind die bereits bestehenden Industrien, die Textil-, die Automobilindustrie, die die Firma bewogen haben, auf dieses Arbeitskräftepotenzial zu setzen: Berufe für Männer und Frauen, die je nach Arbeitsplatz Feinmotorik, aber auch Teamarbeit, Flexibilität, Selbstständigkeit fordern. Eigenschaften, auf deren Suche sich die Arbeitsagentur selbst bei branchenfremden Bewerbern dank hauseigener Psychologen machen kann. Magna, erklärte Geschäftsführer Rothe, plant einen dreischichtigen Betrieb.
Der Zulieferer zählt zum Kunststoff verarbeitenden Bereich. Er arbeitet für den Golf beispielsweise passgenau in jener Reihenfolge die Aufträge ab, wie Volkswagen sie auslöst (just in sequence). Konkret werden in dem Werk komplexe Stoßstangen, genannt Stoßfänger, gebaut. Rothe zufolge erledigt Magna diesen Auftrag schon jetzt, allerdings im belgischen Werk. Am Standort Meerane fallen lange Wege weg. Zu näheren Unternehmensangaben hält sich Magna bedeckt. Rothe sagte nur so viel, dass die Produktion Mitte des Jahres starten soll.


