Im Jugendclub Beverly Hills reichten die Stühle nicht aus, als es um die Meeraner Stadtgeschichte ging. 
Im Jugendclub Beverly Hills reichten die Stühle nicht aus, als es um die Meeraner Stadtgeschichte ging.

Foto: Wiegand Sturm

Meeraner staunen über eigene Geschichte

Per Leinwandbilder haben Mitglieder des Jugendklub Beverly Hills die jüngste Geschichte ihrer Stadt aufleben lassen

Meerane. In den Räumen des Jugendklubs ist kein Platz mehr gewesen. Fast 160 Meeraner, nahezu jeden Alters, wollten sich mit den Jugendlichen auf Zeitreise durch die Heimatstadt begeben. Viele von ihnen kennen Meerane vor und auch nach der Wende. Andere wollten die Geschichte erst noch kennenlernen. Mit einem dreiteiligen Film wurde dies am Freitagabend möglich. Der Streifen gab Einblicke, die für viele neu waren.

Teil eins des Films wurde, wie Vorstandsmitglied Sebastian Reichenbach vom Jugendclub Beverly Hills erklärte, von einem bisher unbekannt gebliebenen Meeraner noch zu DDR-Zeiten gedreht. "Zeitzeugen" waren die alten, schwarz und bröckelig gewordenen Hausfassaden, ein tristes Bild einer Kleinstadt, die in die Bedeutungslosigkeit versunken war. Nach der Wende fuhren Andreas Kuhn und Wolfgang Schlott die filmisch festgehaltenen Straßenzüge nochmals mit der Kamera ab. Erste Veränderungen im Stadtbild wurden im zweiten Teil sichtbar, Altes musste Neuem weichen.

Der dritte Teil gab schließlich den Vergleich zum Alten und zeigte, was bis heute entstand. Gedreht haben diesen Teil von einem neu entstandenen Meerane Isabell Glotz und Patrick Franke vom Jugendclub. Es ist mehr Licht zu sehen: freie Plätze, offene Durchlässe, das neue Wirtschaftsgebiet, Häuser und Fassanden strahlen in frischen Farben. Verschwunden sind auch die im ersten Teil noch vorhandenen runden, grauen Blechaschekübel vor den Hauseingängen.

Manfred Rupkalwis, einer der Besucher, sagte: "Es ist unheimlich emotional, Bilder aus der Wendezeit zu sehen. Ein Gefühl, das auch nach 20 Jahren nicht nachlässt. Wir haben damals alles richtig gemacht, in dem wir auf die Straße gegangen sind. Sonst würden wir heute noch in solchen Ruinen leben. Trotzdem ist es schade um viel alte Bausubstanz." Und Hartmut Kirste meinte: "Für Meerane ist diese Räumlichkeit als Kino zu klein. Im Club wurde sehr viel Schönes geschaffen, jedoch als Kino war schon gegen 18.30 Uhr kein normaler Sitzplatz mehr zu bekommen." Und so saß man eben auf Barhockern, Chefsesseln und Bänken - auf allem, was zum Sitzen geeignet war.

Altbürgermeister Peter Ohl äußerte sich zum Film so: "Wenn ein Fremder den ersten Teil sieht, glaubt er nicht, dass in den schwarzen Häusern überhaupt Leute gewohnt haben. Die Meeraner haben ihre Stadt in den folgenden 20 Jahren völlig verwandelt. Im Vergleich glaubt man, es sind zwei verschiedene Städte zu sehen."

Viele Besucher halten den Film, den man im Jugendclub kaufen kann, für durchaus erinnerungswürdig. Nicht mehr vorhandene Grundstücke und Gebäude, wie zum Beispiel "die Höppern", "Marktschänke", die "Wohnkultur" oder die "Gesunde Ernährung", vor deren Fassade ein riesiger Haufen Kohlen liegt, oder die "obere Eisdiele" sind Zeugen einer vergangenen Zeit.

 
erschienen am 23.10.2011 ( Von Christa Demmler )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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