Anja Sitte zeigt im Waldenburger Museum Krug und Feldflasche, die aus der Steinzeugsammlung des 16. Jahrhunderts stammen.:
Foto: Wiegand Sturm
Museum frischt Steinzeug auf
Waldenburger Steinzeug aus dem späten Mittelalter hat die Töpferstadt berühmt gemacht - Tradition soll stärker in den Focus rücken
Waldenburg. Ganze 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen künftig im Waldenburger Museum für den heimatgeschichtlichen Teil zur Verfügung. Das ist das Ergebnis des bisherigen Umbaus. Nachdem das Naturalienkabinett komplett restauriert ist, soll nun die Stadtgeschichte inklusive der Töpfertradition dem in nichts nachstehen. "Im Zuge der Umgestaltung im Museum sollten wir die Töpfergeschichte besser präsentieren", sagt Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler). Museumsleiterin Ulrike Budig will dabei die Bedeutung der Waldenburger Steinzeugproduktion noch mehr hervorheben, denn die sei eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Hinzu kommt, dass es Sammlungsbestände und wissenschaftliche Vorarbeiten über das Waldenburger Steinzeug gibt.
Einer, der sich intensiv damit befasst hat, ist der Archäologe Stefan Krabath, der als Gebietsreferent im Landesamt für Archäologie in Dresden arbeitet. Er sagt, dass es im späten Mittelalter zwei bedeutende Standorte der Steinzeugproduktion gab: Siegburg im Rheinland und Waldenburg in Sachsen. Steinzeug zeichne sich dadurch aus, dass es bei hohen Temperaturen, etwa 1200 Grad, gebrannt wurde. Damit waren die Gefäße wasserdicht und brauchten nicht extra glasiert werden, wie das bei irdener Keramik der Fall ist. Für die Hitze war nur bestimmter Ton brauchbar, im konkreten Fall der aus Frohnsdorf, ein paar Kilometer nördlich von Waldenburg gelegen. Zwar habe es im sächsischen Raum allerhand Steinzeugproduzenten gegeben, aber die Waldenburger waren laut Krabath die bedeutendsten. "Jeder, der Rang und Namen in Europa hatte, wollte Waldenburger Steinzeug auf seinem Tisch haben", sagt der Experte.
Vor den Stadträten referierte er am Dienstagabend über das Waldenburger Steinzeug, dessen Her- stellung, Produkte und Verbreitung ins Baltikum und nach Holland. Und er bot den Waldenburgern Hilfe bei der Umgestaltung des Museums an. Das Landesamt für Archäologie könnte zum Beispiel Leihgaben zur Verfügung stellen. Im künftigen Haus der Archäologie in Chemnitz werde es einen Ausstellungsabschnitt geben, der sich ausschließlich mit Waldenburger Steinzeug beschäftigt. "Das Archäologiemuseum wird Netzwerkfunk-tion haben", erklärt Krabath. Wenn der Besucher in Chemnitz mehr über das Steinzeug erfahren will, wird er auf Waldenburg aufmerksam gemacht. Ähnlich verhalte es sich bei der Glasherstellung und anderen Gewerken. Stefan Krabath schlug darüber hinaus vor, auch außerhalb des Waldenburger Museums auf die Steinzeugproduktion aufmerksam zu machen, etwa mit thematischen Rad- oder Wanderwegen. Er selbst habe im Jahr 2000 in Coppengrave - einem kleinen Standort von Steinzeugproduktion im südlichen Niedersachsen - mit Freunden und Einwohnern einen mittelalterlichen Brennofen nachgebaut und zur Schau gestellt. Das sei sehr gut angenommen worden.


