Passanten haben es bislang nicht erleben können, dass die Maschinen in Betrieb gehen.
Foto: Wiegand Sturm
Pochwerk und Schmiedehammer brauchen neuen Standort
Ideen für ideales Domizil gesucht
Glauchau. Seit zwei Jahren fristen sie ihr Dasein auf dem Abrissgelände Brüderstraße 16/17. Die sogenannten Agricola-Maschinen sollten als Kleinod die Innenstadt aufwerten und gegebenenfalls auch in Gang gesetzt werden. Denn Pochwerk, Schmelzofen und Schmiedehammer, die Glauchauer Berufsschüler in den Jahren 2006 und 2007 nach Plänen von Georgius Agricola errichtet haben, sind funktionstüchtig. Bewiesen hatten das die jungen Leute, als sie im Jahr 2008 in Frankreich, Spanien und in Chemnitz die historischen technischen Anlagen innerhalb eines europaweiten Kulturprojekts präsentierten. Ein Jahr später stellten sie ihre Arbeiten dem damaligen sächsischen Minister- präsidenten Georg Milbrath (CDU) in Glauchau vor.
Als 2009 zum Tag des Denkmals die Maschinen an der Brüderstraße aufgestellt wurden, verfolgte die Stadt den Plan, das Ensemble in die Neugestaltung des Areals Brüderstraße 15 zu integrieren. Doch daraus ist bislang nichts geworden. Die Maschinen funktionieren mit Wasser, sagt CDU-Stadtrat Ulrich Schleife, der damals als Berufsschullehrer das Agricola-Projekt im Anfangs- stadium begleitet hatte. Wenn das Wasserrad zum Beispiel mithilfe eines Feuerwehrschlauchs in Gang gesetzt werden würde, könnten wegen der Wassermassen die baufälligen Nachbarhäuser in Gefahr geraten. "Dort wo jetzt die Maschinen stehen, kann man sie nicht vorführen", sagt Schleife.
Seine Fraktionschefin Ines Springer hatte deshalb vor etwa vier Wochen in der Stadtratssitzung angeregt, alternative Standorte zu suchen. Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) hat nun einen ins Gespräch gebracht: eine asphaltierte Fläche an der Otto-Schimmel-Straße, gegenüber der Kindertagesstätte. Ideal sei dieser Standort zwar nicht, aber man könnte dort zumindest die Maschinen zu Anschauungszwecken in Gang setzen. "Wir denken da nochmal darüber nach", sagt das Stadtoberhaupt.
"Die Maschinen sind aus weichem Fichtenholz gebaut worden", sagt Schleife. Sie brauchen seinen Worten nach Schutz - entweder einen entsprechenden regelmäßigen Anstrich oder eine Über- dachung. Ihm fällt spontan auch gleich ein historisches Vorbild aus Glauchau ein: Vor der alten Schlossmühle gab es früher einen überdachten Platz für die Fuhrwerke. "So etwas könnten wir doch auch für die Maschinen hinbekommen", sagt Schleife. Die Agricola-Maschinen seien eine hervorragende Arbeit der Jugendlichen gewesen. In der Geburtsstadt von Georgius Agricola sollten sie Schleifes Ansicht nach einen würdigen Platz finden.


