So eine Rotwangenschmuckschildkröte könnte am Schwanenteich unterwegs sein.
Foto: F. Bernhardt / Archiv
Schildkröte planscht munter im Schwanenteich
Herkunft des Tieres bleibt ein Rätsel
Zwickau/Gersdorf. Groß ist sie gewesen. Mindestens 20 Zentimeter. Einen auffallend langen Hals hat sie aus ihrem Panzer heraus gestreckt - beinahe wie eine Schlange hat das ausgesehen. Die Zehen waren eng miteinander verwachsen, als hätte sie Schwimmhäute. Sabine Weiß staunte jedenfalls nicht schlecht, als sie am Sonntagmorgen zusammen mit ihrer Nordic-Walking-Gruppe am Schwanenteich unterwegs war und nahe der Gedenkstätte eine Schildkröte am Ufer sitzen sah. "Sie saß auf einem dickeren Ast, der halb ins Wasser ragte", sagt die Spaziergängerin. Ihr Mann, Eugen Weiß, hatte die Schildkröte bereits sechs Wochen zuvor gesichtet, als er beim Nordic Walking an der Angler-Stelle vorbei kam. Auch damals hatte sie sich knapp über der Wasseroberfläche zum Sonnen auf einem Baumstamm nieder gelassen. Seitdem hält das Ehepaar bei jedem Besuch am Schwanenteich die Augen offen. Sabine Weiß hat daheim in einem Lexikon nachgeschaut, um herauszufinden, was für eine Schildkröte sich da genüsslich sonnte. "Vielleicht wurde sie ausgesetzt. Oder es ist eine heimische Sumpfschildkröte."
Tatsächlich gibt es in hiesigen Breiten die unter Artenschutz stehende Europäische Sumpfschildkröte, die in Deutschland jedoch stark gefährdet ist und nur noch in kleinen Reservaten in Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern vorkommt. Dass sich ein Exemplar dieser Art nach Zwickau verirrt hat, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. "Schildkröten, die in unserer Region im Freien beobachtet werden, sind vermutlich ausgesetzt oder entlaufen", sagt die Leiterin der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Mandy Zisowsky, auf Anfrage.
Die ausgesetzten Reptilien fühlen sich im Normalfall rundum wohl und haben kaum Probleme, auch im Winter zu überleben. "Sie graben sich im Schlamm ein und überwintern dort. Auch Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius machen ihnen nichts aus. Zudem haben sie kaum Fressfeinde", sagt die Leiterin des Tierparks Hirschfeld, Ramona Demmler. Zwar fressen Marder oder Füchse durchaus Schildkröten, doch mit dem Fischotter fehlt ein natürlicher Feind im Wasser. Demmler bekommt regelmäßig Anrufe von aufgeregten Bürgern, die Schildkröten gesehen haben. "Meistens sind das Rotwangen- oder Gelbwangenschmuckschildkröten, die als Haustier gehalten wurden, aber den Besitzern irgendwann einfach zu groß geworden sind", sagt sie. Die Tierparks haben für diese Arten keine Verwendung. Zumal es Demmler zufolge äußerst schwierig ist, Wasserschildkröten einzufangen, da diese sehr flink sind und lange tauchen können.
Dass es sich eventuell um die verschwundene Schildkröte von Gerd Hollmann aus Gersdorf handeln könnte, hält dieser selbst für ausgeschlossen: "Das ist praktisch unmöglich. Gut 20 Kilometer Entfernung kann sie nicht zurücklegen."

