Renate Tromke aus Glauchau wird von einem Polizeimeister auf dem Marktplatz nach möglichen Hinweisen auf das Terrortrio befragt.
Foto: Wiegand Sturm
Terrortrio: Soko fragt Glauchauer aus
Mehr als 30 Ermittler von Bundeskriminalamt und Polizei haben am Mittwoch nach Zeugen gesucht
Glauchau. Der Markt in Glauchau zog am Mittwoch Menschen an, die anderes vorhatten, als frisches Obst oder besonders preiswerte Strümpfe zu kaufen. Etwa ein Dutzend Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) und rund 20 Polizisten gingen dort ihrer Arbeit nach. Die Beamten befragten Glauchauer nach möglichen Hinweisen auf das Terrortrio, das bis November vergangenen Jahres seinen Unterschlupf in der Frühlingsstraße in Zwickau-Weißenborn hatte. Ein RTL-Team filmte die erste so groß angelegte Öffentlichkeitsfahndung in Sachen des Terror-Netzwerks "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
Jedes, aber auch wirklich jedes Detail interessierte die BKA-Beamten der Soko "Trio", die von Polizisten aus der Stadt und von der Bereitschaftspolizei Chemnitz unterstützt wurden. Renate Tromke, die seit 1951 in Glauchau wohnt, ließ sich geduldig befragen, wirklich weiterhelfen konnte sie den Kriminalisten nicht. "Da sieht man so viele Menschen, die merkst du dir nicht alle", sagte Tromke direkt nach der Befragung durch einen jungen Polizeimeister aus Chemnitz. Auch wenn es unkonkret wurde, waren die Beamten pflichtbewusst bei der Aufnahme der Daten. Doch wenn die Antworten eines älteren Herrn, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, so konkret waren wie "Ich meine, das Gesicht hast du schon mal gesehen", waren die Grenzen akribischer Polizeiarbeit schnell erreicht.
Notiert wurde alles, was auf weitere Spuren zur Terrorzelle und ihrer Hintermänner führen könnte. In einer anderen Befragung drehte sich die Aussage eines jüngeren Herrn um eines der Fahrräder, die das Terrortrio genutzt haben soll. Nun müssen die Beamten prüfen, ob diese Angaben auch stimmen. Dass Fahndungsarbeit nicht immer gleich spektakulär und fernsehtauglich ist, wurde auch deutlich: Imbissbudenbesitzer Roland Sehr konnte sich gleich zwei Mal der Aufmerksamkeit der Ermittler sicher sein. "Ich konnte beiden Fällen nichts sagen, weil ich nichts gesehen habe", sagte Sehr, der seinen Imbiss auf der Nicolaibrücke betreibt.
Diesen Handzettel verteilten die Ermittler bei der Befragung.
Foto: Wiegand Sturm
Nicht nur die Passanten wurden in die groß angelegte Fahndung einbezogen. Ein Schreiben mit der Bitte um Mithilfe bei der Fahndung war an alle Glauchauer Haushalte gegangen, zudem wurden Hunderte Plakate verteilt. Die darauf abgebildeten Fotos waren zuvor unveröffentlicht, zudem ist die Aktion mit Briefen an rund 8000 Empfänger und einer viertägigen Befragungsaktion nun laut BKA-Informationen größer angelegt ist als die Fahndung rund um den Unterschlupf in Zwickau.
Aus BKA-Kreisen hieß es zudem, dass in der hauseigenen Telefonzentrale "wohl einige Hinweise" nach dem Verschicken der Postwurfsendung und dem Beginn der Plakataktion am Dienstag aus Glauchau aufgelaufen seien. Über die genaue Zahl und den genauen Inhalt der ernst zu nehmenden Tipps aus Glauchau schwieg man sich in bester Kriminalistenmanier aus.
So wird weiter gefahndet
Fahrradpendler zwischen Glauchau und Zwickau sollen in den kommenden Tagen von Ermittlern befragt werden. Zudem seien weitere Fahndungsaktionen bei Berufspendlern am Glauchauer Bahnhof und am Samstag an örtlichen Ausflugszielen wie dem Stausee geplant. Pro Tag sind rund 30 Beamte im Einsatz, hieß es. Alle Hinweise würden zeitnah überprüft. Telefonische Hinweise erbittet das Bundeskriminalamt unter der Telefonnummer 0800 0130110. Neue Fotos des Terrortrios und seiner Fahrräder finden sich auf der BKA-Internetseite www.bka.de

