Seit wenigen Tagen ist Ruth Erfurt im Altenpflegeheim. Schwester Martina Voigt kümmert sich um sie. Seit wenigen Tagen ist Ruth Erfurt im Altenpflegeheim. Schwester Martina Voigt kümmert sich um sie.

Foto: W. Sturm

Waldenburger Seniorin findet neues Zuhause

Für 4,5 Millionen Euro hat das Kreiskrankenhaus ein Altenpflegeheim gebaut

Waldenburg. Die Blumen vom Einzug haben sich lange gehalten. Der Strauß in der Vase steht auf dem Tisch, daneben ein weiterer Strauß abgeschnittener Flamingo-Blumen. "Den Stock hat meine Tochter übernommen und ihn wieder aufgepäppelt. Jetzt hat sie mir diese Blüten mitgebracht", sagt Ruth Erfurt. "Und das hier ist mein Hund." Die Senioren zeigt auf eine Fotografie, die an der Blumenvase lehnt. "Das ist ein ganz lieber und treuer Gefährte, er ist jetzt bei meiner Schwiegertochter." Ruth Erfurt ist die erste Bewohnerin im neuen Altenpflegeheim in Waldenburg. Am vergangenen Sonntag zog sie in ihr Einzelzimmer. Nach und nach kamen weitere Bewohner hinzu. Am Freitag waren es acht. Insgesamt gibt es im Haus vier Wohnbereiche mit je zwölf Betten.

Mit ihren Mitbewohnern hat Ruth Erfurt bereits Kontakt aufgenommen. Im gemütlich eingerichteten Gemeinschaftsbereich, der unter anderem über Fernseher und Küche verfügt, falle das nicht schwer. Diese Woche war überhaupt die erste, die die 89-Jährige in einem Heim verbringt.

Bis Januar hatte sie allein im Waldenburger Ortsteil Franken gewohnt. Ein Oberschenkelhalsbruch, den sie sich bei einem Sturz zu Hause zuzog, zwang sie ins Glauchauer Krankenhaus. Dort wurde sie behandelt und gepflegt bis vergangenen Sonntag. Nun richtet sie sich in ihrem neuen Zuhause ein. "Es hat wehgetan, meine Heimat zu verlassen", sagt sie. Aber die ersten Tage im Waldenburger Heim hätten ihr gefallen. "Die Schwestern sind nett, da kann man nicht meckern." Ihre Angehörigen wohnen in Dürrenuhlsdorf und kommen regel- mäßig zu Besuch. Wenn sie nächste Woche ihren 90. Geburtstag feiert, haben sich die Kinder und Enkel bestimmt etwas Besonderes einfallen lassen. Ruth Erfurt lässt sich da überraschen.

"Ich bin ein sehr geselliger Mensch", sagt sie und erinnert sich an die Zeit in Franken, wo sie nahezu 90 Jahre gelebt hat. Schwere Zeiten seien auch dabei gewesen, vor allem während des Krieges. Ein Bruder fiel, der andere kam mit schwerer Krankheit aus der Gefangenschaft zurück. "Ich war damals alleine, in der Landwirtschaft war dies besonders schwer", sagt sie. Sie heiratete später, im Laufe der Zeit bekam sie acht Kinder, von denen zwei bereits sehr früh starben. An ihrer Familie hängt Ruth Erfurt heute mehr denn je. "In der letzten Zeit haben mich meine Enkel mit Urenkeln beglückt", sagt sie. Und damit sie sie immer sehen kann, stehen auf dem Fernsehtisch die Fotos.

 
erschienen am 08.06.2012 ( Von Stefan Stolp )
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