Gastronomie-Lehrlingen winkt höherer Lohn
Viele Unternehmen haben Probleme, alle Lehrstellen zu besetzen
Zwickau. Lehrlinge in der Gastronomie könnten bald mehr Geld bekommen. Die Kreisgruppe Zwickau des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) plant, sich einer entsprechenden Initiative aus dem Erzgebirge anzuschließen. "Das ist eine gute Sache. Da machen wir sicher mit", sagt Bernd Winkler, Geschäftsführer des Zwickauer Brauhaus und Dehoga-Vertreter. Details zu der Initiative gebe es allerdings noch nicht.
Mit der Erhöhung der Ausbildungsvergütung soll die Suche nach geeigneten Lehrlingen einfacher werden. "Den Tariflohn sollten wir anstreben", sagt Winkler. Derzeit erlaubt die Industrie- und Handelskammer, dass die Unternehmen bis zu 20 Prozent unter Tarif bezahlen. Die Initiative der erzgebirgischen Hoteliers sieht vor, die Löhne je nach Ausbildungsjahr von bisher zwischen 330 und 380 Euro im Monat auf künftig 450 bis 600 Euro zu erhöhen. Dies sind 90 Prozent des Tariflohnes.
Schwierige Arbeitszeiten
Mit der Erhöhung der Bezahlung hofft Winkler, dass zumindest eine Hürde auf dem Weg in die Gastronomie niedriger wird. "Ein Problem für viele sind die Arbeitszeiten, weil auch am Wochenende gearbeitet werden muss", sagt der Brauhaus-Geschäftsführer. Wenn dann noch die Bezahlung schlecht ist, würden sich einige doch gegen ihren eigentlichen Berufswunsch entscheiden.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht allerdings keinen generellen Trend hin zu höheren Löhnen für Auszubildende in Westsachsen. Vielmehr sei die Bezahlung nur einer von mehreren Faktoren, die die Berufswahl beeinflussen. Kriterien, wie die Attraktivität des Ausbildungsbetriebes, Chancen auf Übernahme nach der Ausbildung, Nähe zum Wohnort und zum Berufsschulstandort sind nach Meinung von Torsten Spranger, Geschäftsführer der IHK-Regionalkammer Zwickau, ebenso wichtig.
Mehr Stellen als Bewerber
Der Kampf um die Lehrlinge ist groß, denn die Agentur für Arbeit verzeichnet im Kreis Zwickau für 1557 gemeldete Stellen gerade einmal 1480 Bewerber. Unbesetzte Stellen sind also vorprogrammiert. Im Vorjahr gab es sogar mehr als 160 Bewerber zu wenig.
Die Autobranche, der größte Arbeitgeber in der Region, findet genug Auszubildende. Ein Problem gebe es "noch nicht", sagt Gunter Sandmann von VW Sachsen in Mosel. Allerdings müsse auch VW stärker um potenzielle Lehrlinge werben. "Wir tun deutlich mehr", sagt Sandmann und zählt eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, darunter Messen und Schnuppertage. Bei anderen Zulieferern sieht es ähnlich aus.
Der Solaranlagen-Hersteller Roth & Rau in Hohenstein-Ernstthal hat dagegen erstmals Probleme, alle Lehrstellen zu besetzen. "Bisher konnte für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr nur einer von drei möglichen Lehrlingsplätzen als Elektroniker besetzt werden", sagt Pressesprecher Mario Schubert. Notfalls werde das Unternehmen nur mit einem Auszubildenden starten. Besondere Maßnahmen werden bis Herbst noch nicht ergriffen. Nächstes Jahr könnte sich das ändern: "Dann wird es sicher Überlegungen geben, wie man wieder mehr geeignete Bewerber gewinnen kann."

