Halle Blick vom Feuerwehrgerätehaus aus auf die Rückfront des riesigen Palla-Komplexes. Links erkennt man das Ernst-Seifert-Haus, dem sich die sogenannte Rennbahn anschließt. Rechts vorn befindet sich das Scherberghaus, dahinter das Bößneck-Meyer-Haus. Auf der Wiese entlang der Erich-Fraaß-Straße standen früher die Produktionshallen.

Foto: Wiegand Sturm

Glauchau: Der Palla-Ruine droht die Abrissbirne

Stadträte stehen vor einer schwierigen Entscheidung

Glauchau. Als die Ernst-Seifert-Fabrik zwischen Scherbergbrücke und heutigem Polizeirevier feierlich eingeweiht wurde, dachte wohl noch niemand, das 84 Jahre später über den Abriss des Gebäudekomplexes diskutiert wird. Einst ein stolzer Bau, "der dem Fremden Reichtum, Größe und Bedeutung der heimischen Textilindustrie sinnfällig vor Augen" führen sollte (Glauchauer Zeitung vom 11. Juli 1928), ist der Stadtrat momentan dabei, das Schicksal der als Palla bekannt gewordenen Textilfabrik, die unter Denkmalschutz steht, endgültig zu besiegeln.

Am Donnerstagabend sollen die Stadträte eine grundsätzliche Entscheidung darüber treffen, ob die Gebäude - also das Bößneck-Meyer-Haus, die sogenannte Rennbahn und das Ernst-Seifert-Haus - erhalten bleiben oder abgerissen werden sollen. Drei Varianten stehen dabei zur Debatte.

Die erste Möglichkeit sieht vor, sämtliche Gebäude stehen zu lassen und zu versuchen, Investoren zu finden, die mittelfristig sich dort ansiedeln. Als Beispiel diente in der bisherigen Diskussion die Schönherr-Fabrik in Chemnitz. In dem sanierten Industriegebäude haben sich unter anderem Handwerker, Händler, Bildungsträger und Gastronomen eingemietet. Eine andere Variante ist der Internethandel, der viel Lagerkapazität benötigt. Doch bis die Palla-Ruine vermarktet ist, vergeht Zeit. Und die Stadt muss als Eigentümerin die Gebäude erhalten. Das kostet etwa 34.000 Euro im Jahr, hatte Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) schon im Winter gesagt, als die Gebäude besichtigt wurden.

Variante zwei besteht darin, Teile des Komplexes wegzureißen. Das ist im Grunde der Ursprungsvorschlag, mit dem Stadtrat Ronald Schröder (Linke) an die Öffentlichkeit ging. In diesem Fall kämen auf die Stadt neben den Ausgaben für Bewirtschaftung und Erhalt der Gebäude auch die Abrisskosten für die Rennbahn zu. Es gibt aber noch eine dritte Variante, die den kompletten Abriss vorsieht. Und die hat der Technische Ausschuss in nicht öffentlicher Sitzung bereits bevorzugt: Die Wirtschaftsförderung wird beauftragt, zweigleisig zu fahren. Das heißt, sie soll Investoren suchen, die sich für die komplette Abrissfläche interessieren. Parallel dazu sollen - bis zu einer endgültigen Abrissentscheidung - die jetzt noch stehenden Gebäude intensiv vermarktet werden.

Termin

Die Stadtratssitzung beginnt am Donnerstag um 18.30 Uhr im Ratssaal.

 
erschienen am 30.05.2012 ( Von Stefan Stolp )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 30.05.2012
    23:24 Uhr

    Ickerbocker: 34.000 ? im Jahr? Das ist doch ein absoluter Witz. Kürzlich hab ich in Werdau erlebt wie man über 100.000 ? für das Abgraben eines kleinen Hügels ausgeben kann um den Fußweg ebenerdig zu führen.
    Für diese Summe will man diesen bedeutenden und der Artikel sagt es "denkmalgeschützten" Komplex abreissen? Samt des markanten Eckbaus? Das wäre ein frevel sondersgleichen. Um sie mal der Polemik zu bedienen um meinem Unverstädnis nachdruck zu verleihen: wie will sich Glauchau denn präsentieren? Als Stadt mit großem industriellen Erbe an das man anzuknüpfen versucht oder wieder zurück in der Teit der Äcker und Felder? Sicher kann man nicht alles erhalten aber hier ist der Zug noch lange nicht abgefahren. Es wurden schon Gebäude in viel schlechteren Zuständen reaktiviert. Ich denke man würde den überstürzten Abriss einmal bitter bereuen.

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