Ein Anblick der dauert: Diese beiden Linden an der Lungwitzer Straße haben den Winter nicht überlebt.
Foto: Andreas Kretschel
An Hauptstraßen sterben Linden
Rathausexperten in Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz geben Entwarnung
Hohenstein-Ernstthal/Oberlungwitz. Linden über Linden wachsen an den Hauptverkehrsstraßen von Oberlungwitz. Derzeit stehen die meisten in voller Blüte. Umso deutlicher fallen die toten ins Auge. In Hohenstein-Ernstthal ist diesem Baum, dem man nachsingt, dass sich's in seinem Schatten süß träumen ließe, sogar eine eigene Straße gewidmet worden. Und selbst diese Unterschutzstellung hat nicht geholfen. Auf der Lindenstraße gibt es zwei Tote, drei sehen mindestens verletzt aus. An der Lungwitzer Straße ein ähnlich trauriges Bild. Grünflächenamtsleiter Uwe Kemter macht dafür mehrere Gründe aus. Grob gesagt sind es Winterschäden.
Etwa acht tote Bäume an Ost-, Lungwitzer und Lindenstraße hat er bisher gezählt. Kein Fraß von Blättern sieht man bei ihnen, was auf Raupen hinweisen könnte, die ein gesunder Baum allerdings verkraften könne.
Was Schädlinge manchen Baumarten antun können, hat das Beispiel der Miniermotte, die ganze Kasta-nienalleen schon im Sommer zum Welken bringen kann, gezeigt. In Meerane mussten im Vorjahr 150 Ulmen gefällt werden, weil sich dort der Ulmensplintkäfer, der einen gefährlichen Pilz überträgt, breitgemacht hatte.
In Kemters Augen haben das Streusalz, die relativ lange Trockenheit und der Frost den Bäumen zugesetzt. "Linden brauchen über den Winter nicht viel Wasser, aber ganz ohne schaffen sie es nicht." Kleineren Gehölzen, deren Wurzeln noch nicht so tief verankert sind, schadet kräftiger Frost, wie er im vergangenen Winter die Region über Wochen in Schach hielt. "Die Wurzeln sind vermutlich abgefroren." Nach und nach kommen die toten Bäume raus. "Wenn Gefahr von ihnen ausgeht, müssen die sofort weg. Aber das ist nicht der Fall", sagt Kempter.
In Oberlungwitz hat der für Straßenverkehrsangelegenheiten zuständige Klaus-Dieter Hager bisher zwei amerikanische Stadtlinden an der Hofer Straße ausgemacht. Bei der einen nahe der Bushaltestelle in Höhe Esda hegt er den Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit dem Baumschnitt wegen der Frei- leitung gebe. "Wir hatten erst den Verdacht, dass es wieder ein Pilzbefall ist. Zum Glück aber nicht", sagte Hager. Vor zwei Jahren waren da einige, allerdings einzeln stehende Bäume betroffen gewesen. Ein Flächenschaden blieb aus.
Jetzt denkt er wie Kemper, dass mehrere Faktoren zusammenwirkten. "Wenn ein Baum schon angeknackst ist, dann gibt ihm das Tausalz womöglich den Rest." Salz, wenig Flüssigkeit im Winter, sicher auch wenig Platz für die Wurzeln. Wie in einem Blumentopf sind manche Bäume in den Fußweg gepflanzt worden, umgeben von Asphalt und Beton. "Besser wäre gewesen, beim Wegebau größere Pflanzgruben zu belassen", sagt Hager, der sieht, das sich teils schon das Pflaster hebe. Aber im Nachhinein sei man immer klüger. Was Hager freut: Bei den anderen Baumarten sieht es ganz gut aus. Eine große Weide sei in die Knie gegangen, aber eher altersbedingt.
Die toten Bäume kommen demnächst raus, eventuell müsse eine Firma beauftragt werden.

