Ein Nadelöhr ist die Hirschkreuzung in Oberlungwitz. Am Abzweig Richtung Autobahn 4 ist den ganzen Tag über viel Verkehr.
Foto: Andreas Kretschel
Bürgerinitiative will Vermittler werden
Gescheiterte Fusion mit Hohenstein-Ernstthal ist kein Hindernis
Oberlungwitz. Die Gründe, die für eine Vereinigung mit Hohenstein-Ernstthal sprachen, haben sich mit dem Bürgerentscheid nicht erledigt. Darin sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) für eine gemeinsame Stadt einig. Aus ihrer Sicht gibt es Probleme, die die Oberlungwitzer nur gemeinsam mit Hohenstein-Ernstthal lösen können. "Wenn wir schon nicht den Zusammenschluss erreicht haben, dann wollen wir wenigstens weiterhin als Vermittler zwischen den Kommunen aktiv bleiben", erklärt Thomas Schubert. Der Arzt will sich weiter in der Bürgerinitiative engagieren.
Als bestes Beispiel für einen dringenden Handlungsbedarf hat die Bürgerinitiative die derzeitige Verkehrssituation ausgemacht. "Uns geht es um die Lebensqualität. Es muss darüber nachgedacht werden, wie Durchgangsverkehr vermieden wird und die Bürger besser vor dem Lärm geschützt werden", erklärt Unternehmer und BI-Mitglied Albrecht Mugler. Gleichfalls gilt es seiner Meinung nach, eine leistungs- fähige Verkehrsinfrastruktur, die sich am Bedarf der kommenden Jahre orientiert, im Raum westlich von Chemnitz zu entwickeln.
Deshalb hatte die Bürgerinitiative ins Oberlungwitzer Rathaus eingeladen. An dem Gespräch nahmen neben einem Vertreter des Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, den Bürgermeistern von Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal und Gersdorf auch ein Bundestags- und ein Landtagsabgeordneter teil. Durch die Bürgerinitiative wurde die Lärmsituation entlang der Bundesstraße 173 in Oberlungwitz und im Kreuzungsbereich der B180/B173, die Kreuzung zur Autobahn 4 in Wüstenbrand, die Dresdner Straße und die Karl-May-Straße in Hohenstein-Ernstthal angesprochen. Zudem ging es um die mangelhafte Anbindung der südlich der Autobahn gelegenen Orte Gersdorf, Lugau und Oelsnitz.
Aus Sicht der Initiative war das Gespräch sehr konstruktiv, und die Vorschläge sind auf offene Ohren gestoßen. "Alle Beteiligten sehen die Notwendigkeit", sagt Mugler. Deshalb sollen in den kommenden Monaten die Planungen konkreter werden. Für die Bürgerinitiative ist vor allem interessant, welche Maßnahmen schnell zu einem Erfolg führen. "Wichtig ist, dass alle Beteiligten über den Tellerrand schauen", erklärt Thomas Schubert. Denn für manchen Gemeinderat höre die Zuständigkeit an der Ortsgrenze auf.
Aus Sicht von BI-Mitstreiterin und Ärztin Kirsten Schubert-Fuchs hat die Arbeit der Bürgerinitiative vor dem Bürgerentscheid gezeigt, dass sich viele Oberlungwitzer für ihre Stadt engagieren. "Vor allem junge Leute sorgen sich um die Probleme, die der Einwohnerschwund mit sich bringt. Die Vereinigung mit Hohenstein-Ernstthal hätte vieles künftig leichter gemacht", sagt sie. Als Beispiel nennt sie die Ausweisung neuer Gewerbe- und Baugebiete. Aber auch der Nahverkehr wäre durch den Zusammenschluss besser geworden. Für sie sind wie für die anderen BI-Mitglieder die Probleme nicht vom Tisch. "Nun sind wir gespannt, wie die Gegner des Zusammenschlusses sie angehen werden", sagt Kirsten Schubert-Fuchs.


