Auf dieser Empore in der Oberlungwitzer Turnhalle dürfen nur noch bis zu 12 Zuschauer sitzen. Der Grund: Ein 2. Rettungsweg fehlt.
Foto: A. Kretschel
Fehlender Fluchtweg verbannt Gäste von Empore
Zuschauerbalkon in Turnhalle darf nur von maximal 12 Menschen benutzt werden - Bau von zweitem Rettungsweg steht in Sternen
Oberlungwitz. Oberlungwitz. Eine Entscheidung des Landratsamtes sorgt für Unmut bei den Sportlern des Oberlungwitzer SV. Die Empore im Turnhallenhauptgebäude an der Erlbacher Straße darf nur noch von zwölf Personen benutzt werden. Der Grund: Es gibt nicht genügend Fluchtwege. Einer Ausnahmegenehmigung, die die Stadtwerke Oberlungwitz als Hallenbetreiber gern hätten, erteilte das Bauordnungsamt eine Absage.
"Bis die Maßnahmen zur Herstellung eines zweiten Rettungsweges realisiert sind, ist die maximal zulässige Personenzahl auf der Empore beziehungsweise im Clubraum auf 12 Personen zu begrenzen. Dabei sind die Personenzahlen bei gleichzeitiger Nutzung beider Bereiche nicht zu addieren", heißt es im Prüfbericht des Kreises.
Thomas Katzsch, Chef der Stadtwerke, war wegen Urlaubs nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Steffen Schubert (parteilos), Bürgermeister der Stadt, die Eigentümer der Halle ist, erfuhr erst durch die Anfrage von "Freie Presse" von der Festlegung. Dass ihm hin und wieder das Verständnis für Anforderungen des Kreises fehlt, wurde in der Vergangenheit schon bei Aussagen zu Brandschutzmaßnahmen an anderen kommunalen Gebäuden deutlich.
Die Investitionen, die wegen der Auflagen erfolgen mussten, erreichen den siebenstelligen Bereich und sorgten in den Schulen für Bauarbeiten, die umstritten sind. Für die Turnhalle an der Erlbacher Straße, in der bereits zwei Sanierungsabschnitte abgeschlossen wurden, gibt es weitere Baupläne. "Eigentlich wollten wir das schon dieses Jahr in Angriff nehmen, aber es gab keine Fördermittel", so Schubert. Auch die Schaffung eines zweiten Fluchtweges aus der oberen Etage gehört zu dem Vorhaben, das allerdings zahlreiche weitere Maßnahmen enthält und für die Stadt allein nicht zu stemmen ist. "Ohne Fördermittel geht es nicht. Selbst wenn alles optimal läuft, gibt es vor Frühjahr 2011 keine Zusage dafür", zerstreut Schubert alle Hoffnungen auf eine schnelle Änderung der misslichen Lage.
Davon betroffen sind vor allem die Handballer des SV, die ihre Bezirksligaheimspiele in der in den 1920er-Jahren errichteten und mehrfach modernisierten Halle austragen. "Durch solche Entscheidungen wird der Handballsport in Oberlungwitz kaputt gemacht", klagt Abteilungsleiter Rainer Christoph. Zuschauer können nun vorerst nur die kleine Empore im hinteren Hallenteil oder die Bänke neben dem Spielfeld nutzen. Unter Umständen müsse man deshalb schauen, ob die Spiele nicht in einer anderen Halle ausgetragen werden, so Christoph.


