Joachim Heidel, Mitarbeiter der Glückauf-Brauerei, zeigt eine Auswahl der aussortierten Flaschen.
Foto: Andreas Kretschel
Fremde Flaschen werden zum Problem
Immer mehr Hersteller wollen sich von der Masse abheben
Gersdorf. Jeden Tag müssen in der Glückauf-Brauerei Hunderte Flaschen aussortiert werden. Sie gehen zurück an die Zwischenhändler. Der Aufwand ist groß. Brauereichefin Renate Scheibner stellte extra eine zusätzliche Kraft ein, um die Arbeit bewältigen zu können.
Es handelt sich um sogenannte Fremdflaschen, bei denen das Logo oder der Schriftzug anderer Brauereien mit ins Glas gegossen sind. So wollen sich die Unternehmen von anderen abheben und den Umsatz steigern. Scheibner: "Diese Marketingstrategie wird für uns zunehmend zum Problem." Zunächst stellten lediglich Brauereien wie Radeberger, Veltins und Bitburger eigene Flaschen her. Nun zogen Hasseröder und Köstritzer nach.
In der Gersdorfer Brauerei muss entsprechend mehr aussortiert werden. Die Flaschen fehlen dann in der Produktion. "Wir müssen neue zukaufen", erklärte die Geschäftsführerin. Das sei nicht gerade leicht. Die Flaschen ohne Logo sowie Schriftzug sind inzwischen knapp. Scheibner benötigt vor allem "Longneck". Dabei handelt es sich um eine standardisierte Form, welche die Brauereien vor Jahren einführten, um die Logistik zu vereinfachen. Nun machen jedoch immer weniger Brauereien mit. Gerade für kleine Unternehmen ist das problematisch. "Es findet ein großer Verdrängungswettbewerb statt", sagt Scheibner. Im Jahr entstehen ihr so bis zu 40.000 Euro an zusätzlichen Kosten. "Uns fehlt das Geld dann für nötige Investitionen, zum Beispiel bei der Technik."
Die Kosten kann das Familien- unternehmen kaum weiterreichen, sagt Scheibner. Ein höherer Kastenpreis werde von den Kunden nicht akzeptiert. Scheibner befürchtet, dass ihre Kunden zu anderen Herstellern wechseln. "Am Markt gibt es schließlich eine Überkapazität. Die Bevölkerungszahl sinkt, es gibt ein geändertes Konsumverhalten." Daher wird ohnehin weniger Bier verkauft.
Momentan lasse sich das Problem zum Teil noch durch geänderte Produktionsabläufe lösen. "Wenn wir nicht genügend Flaschen haben, füllen wir erst einmal die Fässer ab." Zudem gebe es seit Jahresanfang eine Absatzsteigerung um vier Prozent. Rund 43.000 Hektoliter werden im Jahr abgefüllt. "Der Grund dafür sind die Auszeichnungen, die wir für unser Bier bekommen haben." So gab es unter anderem beim European Beer Star für das Bockbier, eine Goldmedaille. Dabei handelt es sich um einen europäischen Preis. "Wir bieten Qualität und besetzen eine Nische."
All das kann das Flaschenproblem jedoch nur bis zu einem gewissen Grad lösen. Renate Scheibner: "Wie es für uns weitergeht, wenn es noch mehr Fremdflaschen gibt, weiß ich nicht. Wir müssen dann neue Wege beschreiten." 36 Mitarbeiter sind derzeit in der Brauerei beschäftigt.

