Der Rohbau der Sachsenring-Mittelschule steht bereits. In den kommenden Tagen werden die meterlangen Fenster eingebaut.
Foto: Andreas Kretschel
Hohenstein-Ernstthal: Rohbau der Sachsenring-Mittelschule steht
Aus Beton und Stahl erwächst Lernort mit vielen Innovationen
Hohenstein-Ernstthal. Die Wände wirken massiv und wuchtig, das Gebäude hingegen leicht und filigran. Ralph Hengst sieht genau hin. Er hat nicht nur als Architekt die neue Sachsenring-Mittelschule geplant, sondern übernimmt auch die Bauüberwachung. "Dort muss noch etwas nachgearbeitet werden", sagt er. Schließlich soll am Ende alles perfekt sein.
8,2 Millionen Euro investiert die Stadt Hohenstein-Ernstthal in die Schule. Sie bekommt Fördermittel in Höhe von 6,2 Millionen Euro. Das Gebäude entsteht im Passivhaus-Standard. Es ist also besonders energiesparend. In Sachsen gibt es bislang nur einen derartigen Schulneubau, nahe Dresden. Auch ihn hat das Architekturbüro verwirklicht. "Es handelt sich zu einem großen Stück um Pionierarbeit", sagt der Architekt. An dem fast fertig gestellten Rohbau wird dies deutlich.
Ralph Hengst führt durch die künftigen Klassenräume. Ihre Form haben sie schon. "Der Beton soll zum Teil sichtbar bleiben", sagt er. "Dadurch können die Schüler sehen, wie das Gebäude entstanden ist." Hengst zeigt auf eine Stelle im Gang. Dort zieht sich eine orange Spur über die Wand. Die Farbe stammt vom Rost des Stahls. "Sie würde sich ohnehin kaum wegwaschen lassen."
Das Gebäude besteht aus etwa 400 Tonnen Stahl. Er steckt in den rund 3000 Kubikmetern Beton. Die Metallstangen geben dem Material Stabilität. So wurden in den vergangenen Monaten Decken mit einer Fläche von insgesamt 4500 Quadratmetern und Wände mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern gegossen. Das Gebäude ist so konstruiert, dass allein durch die besondere Verflechtung der Decken und Wände Stabi-lität entsteht. In der Mitte des Rohbaus gibt es einen großen Lichthof. Darin windet sich die Treppe nach oben. "Sie wirkt freischwebend. Es gibt lediglich eine mittlere Säule, die die Last trägt", erklärt der Architekt. Ein Treppenhaus findet sich somit nicht. Geländer, an denen Glasscheiben befestigt sind, sorgen später für Sicherheit.
Auch an vielen anderen Stellen wird Glas verbaut. Gerade im Erdgeschoss kommt es zum Einsatz. Dort entsteht zum Beispiel ein Musikraum. "Man kann von außen hineinsehen. Das macht natürlich etwas her." Das Konzept wird zudem bei weiteren Räumen umgesetzt. So ist eine Werkstatt geplant. Seifenkisten werden in Vitrinen präsentiert.
Andere Räume liegen versteckt. Beispielsweise die Küche für die Cafeteria. Oder der Technikraum. In ihm kommt all das unter, was für ein Passivhaus nötig ist. Durch lange Schächte wird Frischluft angesaugt. Sie gelangt durch weitere Schächte in die Zimmer. Ein Wärmetauscher gewinnt die Energie zurück, sodass sie nicht verloren geht. Dank der speziell isolierten Fenster muss nur mit Gas geheizt werden, wenn es sehr kalt ist.
Noch sind die Arbeiter zugange. Sie befestigen Treppen, bereiten den Einbau der meterlangen Fenster vor. Und sie schließen die Decke mit großen Betonplatten. Schweißbahnen sowie Kies bilden später das Dach. "Wir wollen am 30. August Richtfest feiern." Damit liegt das Vorhaben bislang im Zeitplan. "Auch finanziell sind wir im Limit", erklärt Ralph Hengst. Im Winter folgt der Innenausbau. Bis zum Sommer 2013 soll dann alles fertig sein.

