Trotz voller Tribünen hat der Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring 2012 einen Verlust eingefahren.Foto: A. Kretschel/Archiv
Hohenstein-Ernstthal: Sachsenring-Gesellschaft macht 209.000 Euro Verlust
Trotz der 196.000 Fans reichen die Einnahmen des Grand Prix nicht aus - Nun gibt es Streit um den Zeltplatz auf dem Ankerberg
Hohenstein-Ernstthal. Der Motorrad-Grand-Prix soll trotz eines finanziellen Defizits im nächsten Jahr wieder auf dem Hohenstein-Ernstthaler Sachsenring stattfinden. Das teilte der Veranstalter Sachsenring Rennstreckenmanagement Gesellschaft (SRM) am Montagabend mit. 209.000 Euro wurden in diesem Jahr an Verlust eingefahren.
Die Einnahmen belaufen sich auf etwa 6,9 Millionen Euro. Dem stehen Ausgaben in Höhe von rund 7,1 Millionen Euro gegenüber. Die fehlende Summe soll zwischenfinanziert werden. Wie dies konkret geschieht, wollte am Montag Marco Wanderwitz (CDU), Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Aufsichtsrates der SRM, nicht sagen. Probleme habe es durch die kurze Vorbereitungszeit gegeben. So müsse künftig zeitiger mit dem Ticketverkauf begonnen werden. Er glaubt zudem, dass sich 2013 die finanzielle Lücke verringen lassen wird. Am meisten Potenzial bietet für Wanderwitz dafür der Ankerberg. Dort hatten etwa 7500 Motorsportfans während des Grand Prix gecampt.
"Es kann nicht sein, dass die SRM als Veranstalter einen Verlust verbucht und gleichzeitig auf dem Ankerberg viel Geld verdient wird", erklärte Wanderwitz. Damit übte der Aufsichtsratsvorsitzende Kritik an Matthias Polster, der ein Catering-Unternehmen besitzt und den Campingplatz betrieben hat. In den vergangenen Jahren hatte er Gewinne und Verluste mit dem damaligen Grand-Prix-Veranstalter, dem ADAC Sachsen, geteilt. Als der Automobilclub das Handtuch warf, war der Vertrag hinfällig. Mit der SRM als neuen Veranstalter kam es zu keiner Einigung. Polster: "Man kann nicht nur aus dem Ankerberg Geld rausziehen wollen." In diesem Jahr habe er ohnehin wegen des schlechten Wetters Verlust gemacht. Der Caterer pachtet das Land von der Bernsdorfer Agrargenossenschaft. Im Schnitt erwirtschaftet er nach eigenen Angaben durch den Ankerberg im Jahr rund 30.000 Euro an Gewinn. Wanderwitz glaubt, dass die Summe deutlich höher liegt. Fährt das Motorspektakel auch 2013 Verluste ein, werde die Situation schwieriger. "Herr Polster muss sich dann aber Vorwürfe gefallen lassen, sollte der Grand Prix später nicht mehr stattfinden", so Wanderwitz.
Auch beim Streckenumbau gibt es finanzielle Probleme. Der Zweckverband "Am Sachsenring" hatte Kiesbetten erweitern lassen. Laut Vorsitzendem Erich Homilius wurden die vom Land zugesagten Fördermittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro noch nicht bewilligt. Nun soll ein Kredit aufgenommen und im Verband ein Nachtragshaushalt beschlossen werden. "Die Zusage des Freistaates über 1,5 Millionen Euro steht", sagte Sandra Jäschke, stellvertretende Regierungssprecherin.


14:59 Uhr
809626: @ Tinohu: Erstens: Daß sich der Sachsenring die Umbauten nicht selbst ausdenkt, sondern diese Auflagen sind, weiß ich selbst. Und gerade dies ist ja das wirtschaftlich idiotische: Wie können denn Standards nach nur einem Rennwochenende schon wieder veraltete sein? Das ist doch wirschaftlicher Wahnsinn. Und zweitens bin ich schon auf Rennstrecken der "Neuzeit" gewesen. Ich bleibe dabei: Zuviele Menschenmassen auf zu engem Raum und unübersichtliches Geschehen. / Wenn natürlich nur 12 Motorräder starten (weil sich kaum noch ein Hersteller die Serie Moto-GP leisten kann), ja dann geht der Überblick auch nicht verloren. Drittens: Als Motorradfahrer kann ich ein Lied davon singen, wie in den Medien erst einmal das Negative als Aufhänger dient. "Motorradfahrer stirbt auf B 0815" steht in großen Lettern. Wer sein Vorurteil bestätigt haben will liest gar nicht weiter. Dabei relativiert der Artikel dann die Überschrift. Im Text steht nämlich dann, daß ihm die Vorfahrt genömmen wurde. Soviel zu den Medien.
13:42 Uhr
roko: Mir missfällt, ebenso wie Tinohu, der negative Unterton in der Berichterstattung der Freien Presse.
Anderenfalls stellt sich mir die Frage, ob die SRM aus allen vom Grand Prix profitierenden und keine freiwilligen Pflichtabgaben zahlenden Campingplätzen ihr Defizit schöpft. Ich glaube, dass die unentgeldliche Überlassung des Grund und Bodens für den ebenfalls für Besucher kostenfreien Parkplatz (zusammen 13,5 ha!) an die SRM schon ein großer Beitrag zur Senkung der Kosten des Veranstalters darstellt. Wenn man die Kosten für die Pacht dieser Fläche und die Logistikkosten wie Umzäunung und Müllberäumung dafür sich anschaut ist das meines Erachtens nach nicht unerheblich. Aber solche Betrachtungen werden ja durch Herrn Wanderwitz nicht öffentlich erörtert!
09:32 Uhr
Tinohu: @809626: Die aus sicherheitstechnischen Auflagen resultierenden Umbauten denkt sich nicht der Sachsenring aus, sondern der Motorradweltverband. Wohl noch nie auf einer Rennstrecke der "Neuzeit" gewesen, aber alles schlecht reden. Eine heutige Rennstrecke ist komplett mit Videowänden ausgestattet, da sieht man wesentlich mehr als auf 9km Rennstrecken der Vergangenheit und man hat immer den Überblick über den Rennverlauf. Das gilt übrigens auch schon für die Trainingstage.
@Freie Presse: Ich fand die Negativberichterstattung in der Ausgabe vom 07.08.2012 völlig unpassend. Als Überschrift wurde der Verlust auf der Titelseit präsentiert. Beim weiteren Lesen beruhigte sich mein Zustand, da der Grandprix ja weiter gesichert sei und die Option seitens der SRM gezogen wurde. So etwas gehört als Schlagzeile und nicht das Negative !
17:40 Uhr
f1234: Die Zahlenspielereien rund um den Sachsenring sind schon mehr als undurchsichtig.
6,9 Mio Einnahmen bei 196.000 Tagesgästen? Macht je Zuschauer 35 Euro/Tag. Allein mein schnödes 3-Tage-Tribünenticket kostete 140 Euro, was je Tag 46 Euro macht. Und da ich nur an zwei Tagen da war und, wie ich meine, die 196.000 Besucher die tatsächlich gezählten Leute über drei Tage darstellen, habe ich sozusagen schon mal 70 Euro pro Tag bezahlt. Dazu noch Standmieten, Parkgebühren, evtl. Umsatzbeteiligungen der Gastronomiebetriebe.
Weiterhin würde dies ja - auf die um 40% erhöhten Ticketpreise umgelegt - bedeuten, dass der vorherige Veranstalter jeweils gigantische Millionenverluste eingefahren haben muss.
Sorry, aber ich glaube diesen Darstellungen einfach nicht. Wenn ein Rennen wie auf dem Sachsenring mit einem derartigen Zuspruch tatsächlich Verluste einfährt, was ist dann auf den anderen Strecken los? Die müssten da ja riesige Verluste machen. Und wenn dem wirklich so wäre, gäbe es diese Rennserie schon lange nicht mehr.
Hier wird die nächste Ticketpreiserhöhung vorbereitet...
16:35 Uhr
roko: Ich glaube widerum nicht, dass der Ankerberg in diesem Jahr soviel Gewinn abgeworfen hat, wie Herr Wanderwitz hier öffentlich ankreidet. Im letzten Jahr waren es noch knapp 13.000 Camper, welche sich da vergnügt haben. Als die letzten Jahre noch der ADAC die Gewinne und Verluste mit getragen hat, wurde dies aber ebenfalls am Ring mit dem Catering so gehalten. Das konnte in diesem Jahr aus persönlichen Gründen der Veranstalter nicht so vergeben werden. Das ist also Aufgabe eines Bundestagsabgeordneten, persönliche Konflikte öffentlich zu kommentieren. Wofür unsere Volksvertreter nicht alles gut sind. Pfui Spinne