Der Zwickauer Apotheker Ekkehart Schilling besitzt noch fünf Fläschchen mit insgesamt 50 Dosen des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe. Abnehmer hat er für sie nicht mehr.
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Impfstoff führt jetzt Schattendasein
Spritzen gegen Schweinegrippe werden nur noch selten gesetzt - Ärzte und Apotheken wollen Serum loswerden
Werdau/Crimmitschau. Werdau/Crimmitschau. Erst ist er heiß begehrt gewesen, jetzt führt er bei vielen westsächsischen Ärzten und Apothekern ein Schattendasein. 1,7 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe hatte das Land Sachsen für 14,5 Millionen Euro bestellt und weiter verteilt. Rund 1,4 Millionen Dosen wurden nicht verbraucht. Die will nun niemand mehr haben.
50 Dosen des Impfstoffes besitzt Ekkehart Schilling in seiner Zwickauer Mohren-Apotheke noch. Warum er nicht alle geworden ist? "Das Problem war, dass die Ärzte ganz unterschiedliche Einstellungen hatten. Manche impften, andere nicht", erklärte er. Die Zahl der benötigten Impfdosen habe sich nur schwer kalkulieren lassen. Abnehmer gebe es mittlerweile keine mehr. "Ich frage mich, was aus dem Impfstoff werden soll. Können wir ihn entsorgen? Fordert das Land ihn zurück? Keiner sagt, was damit passieren soll." Deutlich mehr Dosen gibt es beim Crimmitschauer Hauptverteiler, einer Apotheke in der Stadt. In den kommenden Tagen stehe eine Inventur an. "Wir haben noch richtig viel Impfstoff da", sagte der Inhaber der "Freien Presse". Seine Hoffnung: Das Land Sachsen nimmt die Ampullen zurück.
Rund 230 Impf-Rationen stehen bei einem Crimmitschauer Allgemeinmediziner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Dosen sollen vorerst aufgehoben werden. Bis nächstes Jahr seien sie noch haltbar. Impfungen habe es in der Praxis seit Februar nicht mehr gegeben. Keinen Impfstoff besitzt hingegen der Lichtensteiner Allgemeinmediziner Daniel Frank. "Unsere 50 Dosen wurden aufgebraucht. Wir hatten uns nicht bevorratet", sagte Frank. "Erst als wir die jeweils notwendigen zehn Leute zusammenhatten, wurde bestellt." Von der anfänglichen Panik habe auch er sich anstecken lassen. "Es gab aus der Bevölkerung einen großen Druck, zu impfen." Der ließ jedoch schnell nach. Im Januar setzte Frank das letzte Mal die Spritze gegen die Schweingrippe. Von Beginn an nicht geimpft wurde in der Glauchauer Arztpraxis von Daniela Seidel-Pullwitt. Die Patienten seien zum Gesundheitsamt des Landkreises geschickt worden.
9000 Impfdosen bezog der Landkreis. Rund 3000 Menschen wurden vom Gesundheitsamt oder in dessen Auftrag geimpft. Mehr als 3100 Dosen gingen an bevorzugte Gruppen wie Polizisten und Krankenschwestern. Zehn Prozent des Schlüsselpersonals nutzen das Angebot. Die restlichen knapp 2900 habe der Kreis an das Land Sachsen zurückgeschickt, sagte Silke Neumann-Vogel, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. "Die sogenannte Schweinegrippeimpfung wurde leider nicht im geplanten Maße angenommen." An der Impfung halte sie fest. Demnächst werde der saisonale Grippeimpfstoff bereitgestellt, der einen Schutz gegen die Schweinegrippe enthalte. Das sei wichtig. Schließlich habe die Weltgesundheitsorganisation die Warnstufe 6 der Pandemie bisher nicht aufgehoben.

