Mühevoll hat Kabarettist Andreas Etienne die Figuren seiner Nazarener Krippe zueinander ausgerichtet. Mehr als 110 Jahre sind sie alt.
Foto: Andreas Kretschel
Krippen-Sammler liebt die Dramaturgie
Neue Sonderschau im Lichtensteiner Daetz Centrum eröffnet
Lichtenstein. Die Besucher drängen sich vor den Krippen. Es ist dunkel. Nur die Kunstwerke leuchten. Kleine Lampen setzen sie ins richtige Licht. Im Lichtensteiner Daetz-Centrum kommt weihnachtliche Stimmung auf. Dazwischen: Kabarettist Andreas Etienne. "Die Gipsfiguren sind bemalt. Gerade die feinen Gesichter finde ich so toll." Dann geht er weiter. "Jede Krippe erzählt viel von der Gegend aus der sie stammt", sagt er. Der 56-Jährige zeigt auf eine aus Italien. Nebenbei rückt er bei einer anderen die Figuren zurecht. "Die Figuren stehen in einer Beziehung zueinander. Das ist richtig dramaturgisch aufgearbeitet. Auf die Details kommt es an."
39 der 75 Krippen gehören dem Bonner Kabarettisten. Sie sind Teil der diesjährigen Sonderausstellung "Andere Länder, andere Krippen". In den kommenden Wochen können sie bewundert werden. Bekannt ist Etienne vor allem aus dem Fernsehen. Regelmäßig tritt er im Westdeutschen Rundfunk auf, bringt die Zuschauer zum Lachen. Dass er leidenschaftlicher Sammler ist, wissen nur wenige. "Ich sammle ja eigentlich inzwischen gar nicht mehr. Die Krippen kommen immer zu mir", sagt er mit einem Lachen. "Ich gehe auf einen Flohmarkt und sehe sofort eine - ohne lang zu suchen. Vielleicht ist das auch Instinkt."
Bereits seit der Kindheit sammelt Etienne. "Bei uns standen Figuren aus Gips unter dem Weihnachtsbaum. Die wurden dann gefüttert, später ins Bett gebracht. Meine Eltern machten sich schon schwere Sorgen. Irgendwann sagten sie, etwas Repräsentatives muss her", erzählt der 56-Jährige. Für jede gute Schulnote gab es Punkte und schließlich geschnitzte Figuren für eine neue Krippe. "Natürlich hatte ich die Figuren aus Gips zuvor unter meinem Bett heimlich in Sicherheit gebracht." Jahre später entdeckte der Kabarettist seine Leidenschaft zum Sammeln neu. In seiner Verwandtschaft gab es ebenfalls Krippenbesitzer. "Als die Oma oder die Großtante starb, dachte ich, bevor die Krippen in die Tonne kommen, gewähre ich ihnen lieber Asyl." Inzwischen hält der Bonner auch regelmäßig im Internet Ausschau nach Raritäten. Insgesamt rund 140 verschiedene Krippen besitzt Andreas Etienne. "Eine so große Ausstellung wie in Lichtenstein habe ich noch nicht gemacht. Das war für mich auch ein großer Aufwand." Wochenlang habe er in seinem Keller alles gesichtet, zusammengestellt und beschriftet.
Kathrin Hillig, Geschäftsführerin des Daetz-Centrums, beobachtet das Treiben. "Er besitzt so viele Krippen, dass wir den zweiten Teil erst im kommenden Jahr zeigen können", sagt sie während Etienne die Gäste der Vernissage unterhält. Hillig wolle schließlich auch die Krippen anderer Leihgeber präsentieren. "Mehr als 425.000 Besucher kamen in den vergangenen zehn Jahren in das Daetz-Centrum." Allein ein Drittel sei wegen der Sonderausstellungen da gewesen. "Wir wollen noch mehr Gäste anlocken. Die Krippen sind in dieser Zusammenstellung nur in Lichtenstein zu sehen", wirbt sie für die Schau.
Andreas Etienne steht wieder an einem der Kunstwerke. Es ist aus Papier gefertigt. "Daheim stelle ich während der Weihnachtszeit auch ein, zwei auf. Es gibt aber krippenfreie Zonen, wie der Flur, die Küche und alle Sitzgelegenheiten." Die Gäste lachen. Etienne freut sich.

