Ausstellung Rund 25 Interessierte waren zur Ausstellungseröffnung ins Stadtmuseum Lichtenstein gekommen. Gerade für die Generation nach 1989 ist es wichtig, nicht nur von den Eltern zu lernen.

Foto: Andreas Kretschel

Lichtensteiner Museum erinnert an Mauer

Ausstellung über die innerdeutsche Grenze im Stadtmuseum eröffnet

Lichtenstein. Schon wieder eine Ausstellung über die Mauer? Mit diesen Worten hatte vor ein paar Tagen ein Lichtensteiner Anne-Sophie Berner, die Leiterin des Stadtmuseums, angesprochen. Das, was sie ihm antwortete, sagte sie auch den Gästen zur Eröffnung von "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" am Donnerstagabend. Das Thema sei nach wie vor wichtig, besonders für die jüngere Generation. "Die lernt oft nur noch von den Eltern." Das sei zwar gut, aber eben nur eine Perspektive. Darum sei eine Ausstellung, die Geschichte so objektiv wie möglich darstellt, für den Lernprozess wichtig. Besonders Klassen der Berufsschule würden das Museum darum für den Unterricht nutzen.

Die Ausstellung wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur konzipiert, es gibt sie zwölfmal. In Lichtenstein zu Stande gekommen ist sie durch die Zusammenarbeit mit der Chemnitzer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde. "Das war praktisch", sagte Berner, denn alles wurde fertig angeliefert und sogar aufgestellt - hilfreich für ein Museum, das personell und finanziell am Limit ist.

In Bildern, Dokumenten und mit einigen Fluchthilfsmitteln, darunter ein motorisierter Drachenflieger, zeigt die Ausstellung die Geschichte der innerdeutschen Grenze. Besonderen Raum erhalten die Botschaftsflüchtlinge, die 1989 von Prag aus mit dem Zug durch die DDR in die Bundesrepublik ausreisen durften. Die Tafeln zeigen, wie nah das Thema mit der Region verbunden ist: Am Bahnhof Reichenbach wurden die Flüchtlinge ein letztes Mal kontrolliert, sie passierten den Bahnhof in Plauen und waren im fränkischen Hof endlich in Freiheit.

"Der Wert der Freiheit muss sich immer wieder vergegenwärtigt werden", sagte Clemens Heitmann, Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde in seiner Rede. Und genau diesen Zweck wolle die Ausstellung erfüllen. Er hob ein weiteres "großes Thema für die Region" hervor, das auf einer der Tafeln dokumentiert ist: den Handel mit politisch Gefangenen. Die BRD kaufte der DDR rund 33.000 von ihnen ab. "Das war weltweit einmalig", sagte Heitmann. Sie alle kamen ins Stasigefängnis in Chemnitz, "um dort aufgepäppelt zu werden, denn in dem schlechten Zustand, in dem sie sich befanden, wollte man sie nicht in den Westen lassen." Sie hätten frische Luft, viel Schlaf und gesundes Essen bekommen. In Chemnitz holte sie dann ein Reisebus ab, der sie in die BRD brachte. Das Gefängnis steht noch auf dem Kaßberg, allerdings leer. Erst kürzlich habe der Landtag entschieden, dort eine Gedenkstätte einzurichten.

 
erschienen am 20.01.2012 ( von Jana Peters )
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