Im einstigen Strumpfwirkermeisterhaus an der Hofer Straße läuft der Innenausbau auf Hochtouren. Unterm Dach sind die Trockenbauer Kevin Dräger (links) und Patrick Pelz bei der Arbeit.
Foto: Andreas Kretschel
Meisterhaus bekommt neues Innenleben
Letzte Kapitel der Sanierung hat begonnen
Oberlungwitz. Klaus Schreiber hält die Mörtelspritze fest in der Hand und bringt Innenputz an das historische Gemäuer. 1838 wurde das Oberlungwitzer Strumpfwirker-Meisterhauses eingeweiht. 174 Jahre später erlebt es eine Wiedergeburt. Klaus Schreiber, erfahrener Maurer, ist einer der Geburtshelfer. Dank der Mörtelspritze verteilt der Schwarzenberger wie von Zauberhand den Putz. "Ohne diese Technik würde es wesentlich länger dauern", erklärt er. Zudem ist es nötig, den Putz an die Wand zu schießen - denn es ist ein besonderes Material. "Weil Dämmstoffe beigemischt sind, ist er sehr leicht. Mit dieser Technik haftet er einfach besser an der Wand."
Dämmung verschwindet
Die späteren Bewohner werden das auf den ersten Blick nicht merken. Aber die guten Eigenschaften der Wärmedämmung dürften sie zu schätzen wissen. Darauf wurde auch im Dachgeschoss des Meisterhauses großer Wert gelegt. So befindet sich unter den nagelneuen Dachschindeln eine dicke Schicht Dämmung. Kevin Dräger und Patrick Pelz sorgen dafür, dass sie bald nicht mehr sichtbar ist. Seit einigen Tagen verschwindet sie Stück für Stück hinter großen Trockenbauwänden. "Wir werden noch eine ganze Weile zu tun haben", sagt Pelz und schaut sich in dem großem Raum um. Einige alte Balken stehen unter dem mächtigen und ganz neuen Dachstuhl. "Rund 500 Quadratmeter Wandfläche werden es schon sein", sagt er. Danach werden sie sich Etage für Etage durch das historische Gebäude arbeiten und zahlreiche Wände setzen, denn in dem ehemaligen Meisterhaus, das später unter dem Namen Emma-Hospital bekannt wurde, soll ein Pflege- und Wohnheim für ältere Behinderte mit 16 Wohnungen entstehen. Rund 1,6 Millionen Euro wird das Projekt kosten, das der Verein Lebenshilfe stemmt. Reichlich zwei Drittel der Bausumme sind förderfähig. Die restlichen 450.000 Euro schießt die Stadt zu, die das Gebäude zudem für einen symbolischen Preis von einem Euro an den Investor verkauft. "Wir freuen uns, dass es für das Meisterhaus ein tragfähiges Konzept gibt", sagt Bürgermeister Steffen Schubert (parteilos). Aus seiner Sicht ist aufgrund dieser Nutzung die Rettung des historischen Gebäudes erst möglich geworden.
Unterm Dach wird's gesellig
Mit dem Meisterhaus will der Verein Lebenshilfe das Gute mit dem Nützlichen verbinden. So erhalten mit der Rettung eines Stücks Orts-geschichte gleichzeitig ältere Behinderte ein Domizil. Um die Bewohner zu gemeinsamen Aktivitäten einzuladen, entsteht im Dachgeschoss ein großer Gemeinschaftsraum mit Küche. Auch eine Wohngemeinschaft ist geplant. Diese Angebote sind für Ute Gläß, Geschäftsführerin des Vereins, besonders wichtig. "Behinderte Menschen können allein leben, oftmals aber nicht allein sein", sagt sie. Im Sommer soll Leben in das alte Gemäuer einziehen.


