Für den Giebel (rechts) am Bahnhof Lichtenstein suchen die Modellbahner Graffitisprüher.
Foto: Andreas Kretschel
Modellbahner suchen Künstler für Giebel
Dass Graffitisprüher das Bahnhofsgebäude mögen, steht außer Frage
Lichtenstein. Der Modellbahnclub gibt einen Giebel des Bahnhofsgebäudes für Graffitikunst frei. Vereinsvorsitzender Frank Kaden: "Wir hätten gern ein Bahnmotiv. Wer Interesse hat, kann uns seinen Entwurf vorlegen." Farbdosen spendiert der Verein, an einer Gage hapert es jedoch aus finanziellen Gründen. Einer der renommierten Graffitisprüher Ostdeutschlands, der Mee-raner Tasso, hat seine Zweifel, ob da noch jemand anbeißt. "Vor 20 Jahren haben wir uns um freie Flächen gerissen. Heute ist das anders. Wer gut ist, macht sich selbstständig. Und Selbstständigkeit hat ihren Preis."
Club ärgert sich über Schmierer
Seit Jahren hat der Modellbahn- club 3/22 Lichtenstein im Bahn- hofsgebäude sein Domizil. Das wurde - wie sachsenweit insgesamt 217 Bahnhöfe - verkauft. Nachdem der erste Großkäufer pleite ging, stieg mit Patron Capital ein britisches Finanzunternehmen ein. Dessen deutsche Tochter verwaltet die Stationen von Leipzig aus.
Die Modellbahner sorgen selbst dafür, dass das Haus in Schuss bleibt. Schon immer war ihnen das eintönige Grau des Gebäudes ein Dorn im Auge. Doch mehr ärgerten sie sich über ständige unsinnige Sprühe- reien am Haus. Nun haben sie einen Erfolg erreicht. Der Eigentümer genehmigte das Anbringen eines gut gestalteten Graffito an der Stirnseite des Gebäudes. Das bedeutet, dass sich ein Graffitikünstler verwirklichen kann. Club-Vorsitzender Frank Kaden hofft auf die Anerkennung guter Bilder innerhalb der Szene. Drübersprayen darf nämlich nur der, der glaubt, besser zu sein.
Bahnhöfe sind Einfallstore
Tasso, beinahe schon ein Bahnhofsexperte, hat den Hohenstein-Ernstthaler Bahnhof mit Motiven der Stadt gestaltet, erst kürzlich den neuen Bahnhof in Meerane mit szenetypischen Buchstaben und Schottenkaros. Das abgerissene Meeraner Bahnhofsgebäude hat er auf einer Hausmauer an der Gerberstraße in Meerane verewigt. Bahnhöfe, die Einfallstore einer Stadt, sind für Sprüher attraktiv. Doch alles habe seinen Preis. Wer Kunst will, sollte dafür zahlen. "Dieses Selbstbewusstsein vermittel ich meinen Leuten. Ich sage immer: Ihr wisst, was ihr wert seid."
Er empfiehlt dem Verein, Sponsoren zu suchen, um einen guten, in der Szene akzeptierten Künstler bezahlen zu können. "Jeder, der arbeiten geht, möchte dafür bezahlt werden." Es sei denn, er hat komplett freie Hand, dann macht er das in seiner Freizeit, und da will eigentlich jeder gern das machen, was er will.
Interessenten können sich während der Treffpunktzeiten der Clubmitglieder, also mittwochs ab 18 Uhr und sonntags ab 10 Uhr, mit ihren Vorstellungen und Entwürfen bei den Lichtensteiner Modell- bahnern melden, der am besten geeignete Entwurf wird dann über Jahre am Bahnhofsgebäude zu sehen sein. (mit sh)

