Nico Lorenz kümmerte sich am Wochenende um die Fans. Die Probleme hielten sich in Grenzen.
Foto: Andreas Kretschel
Sachsenring-Fan ist ganz nah an den Stars
Wenn Unfälle passieren, ist der angehende Rettungsassistent zur Stelle
Hohenstein-Ernstthal. Obwohl er erst 20 Jahre alt ist, gehört Nico Lorenz schon zu den alten Hasen am Sachsenring. Im Alter von sieben Jahren nahm sein Opa ihn zum ersten Mal zu einem Rennen mit. Das ist in der Region nicht gerade ungewöhnlich. Der Rettungssanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist allerdings mehr als nur ein Motorsportfan.
Seit seinem 16. Lebensjahr ist Nico Lorenz bei großen Rennen an der Strecke als freiwilliger Rettungshelfer dabei. Für den Lichtensteiner war in diesem Jahr jedoch alles etwas anders. Der angehende Rettungsassistent kümmerte sich darum, dass Kranke oder Verletzte von den kleineren Stützpunkten in die Sanitätswache kamen. "Die Aufgabe ist sehr verantwortungsvoll", sagt er. "Unterwegs kann viel passieren." Im Notfall muss Lorenz schnell helfen. "Da das Wetter am Wochenende nicht so heiß war, ging es recht ruhig zu. Schlimme Fälle gab es nicht." Von den Rennen selbst bekam Lorenz kaum etwas mit - abgesehen von den aufheulenden Motoren der Maschinen. Im vergangenen Jahr war Lorenz noch direkt auf der Tribüne eingesetzt. Dort kümmerte er sich zum Beispiel um Rennsportfans mit Kreislaufproblemen.
An seinen ersten Einsatz am Ring kann sich Lorenz noch gut erinnern. "Damals war ich mächtig aufgeregt", sagt er. "Ich kam dabei als Jugendlicher den Fahrern so nahe, wie nur wenige Zuschauer." Anfangs habe Nico Lorenz beim Blick auf die Strecke auch manche Schrecksekunde verdauen müssen. "Aber zum Glück stehen die gut geschützten Rennfahrer nach den meisten Stürzen unverletzt wieder auf", sagt der erfahrene Sanitäter.
Dass viele Rennfahrer gar keine Starallüren haben, hat Lorenz hinter den Kulissen in der Boxengasse und im Fahrerlager erlebt. So entstanden zahlreiche Erinnerungsfotos mit den Stars. Besonders stolz ist der junge Mann auf zwei Bilder: Auf einem ist er mit seinem Idol Valentino Rossi zu sehen - aus Verbundenheit zu ihm lässt sich der Lichtensteiner an Rennwochenenden schon mal die Startnummer 46 auf den Hinterkopf scheren. "Das andere Bild lässt sich leider nicht mehr wiederholen", sagt Lorenz nachdenklich. Darauf ist er mit Marco Simoncelli zu sehen. Nur wenige Monate nach der Aufnahme am Sachsenring verunglückte der 24-jährige Italiener. Er starb im Herbst 2011 bei einem Rennen in Sepang in Malaysia. Klar, dass dieses Erinnerungsfoto einen Ehrenplatz in der heimischen Fanecke in Lichtenstein hat.
Zu Hause hat der Rennsportfan, der selbst nicht Motorrad fährt, abgefahrene Reifen von Rennmaschinen, leere Ölfässer aus den Boxen, Autogrammkarten und allerlei Rennsportdevotionalien vom Sachsenring liebevoll drapiert. Besonders stolz ist er auf sein erstes Souvenir, das er nach dem ersten Einsatz als DRK-Helfer ergatterte. Es ist ein ausrangierter Reifen vom Lauf der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft 2008.
Vergangenes Jahr, als der Motorrad-Grand-Prix 2012 auf der Kippe stand und für den Sachsenring schon verloren schien, gehörte Lorenz zu den Kämpfern der ersten Stunde für den Erhalt des Grand-Prix-Laufs der Rennstrecke vor seiner Haustür. "Man muss etwas tun, wenn einem etwas genommen werden soll, was einem am Herzen liegt", sagt Nico Lorenz. So hat er sich wochenlang im von seiner Mutter Jana gegründeten Verein "Rettet den MotoGP am Sachsenring" engagiert, stand mit Tausenden anderer Fans während der Großdemonstrationen am Sachsenring. Nico Lorenz wurde fast so etwas wie ein inoffizieller Sprecher des Vereins und der Fans. Jana Lorenz wurde sogar von den Lesern der "Freien Presse" zur "Westsächsin des Jahres" gewählt. Die Mühe hat sich gelohnt, resümiert der junge Mann. Er ist sich sicher, dass der Grand Prix vor allem durch den Protest der Fans gerettet wurde. (mit geom)

