Dirk Emmerling (links) und Marjan Malinv benötigen rund zwei Tonnen des Strahlgranulats.
Foto: Andreas Kretschel
Sand rückt giftigem Stoff zu Leibe
Dachbalken der Jahnturnhalle müssen von gefährlichen Schutzmittel befreit werden
St Egidien. Nein, hier wird kein neuer Film über eine Seuche gedreht. Die Männer an der Jahnturnhalle in St. Egidien sind auch keine Schauspieler, sondern Mitarbeiter der Chemnitzer Firma Weichbrodt. Sie haben gestern begonnen, die Balken des denkmalgeschützten Daches der Jahnturnhalle in St. Egidien sandzustrahlen. Dabei darf das 1926 erbaute Gebäude nur noch in kompletter Schutzkleidung betreten werden.
Krebserregender Staub
Am Gebälk des Dachtragwerkes kristallisiert altes Holzschutzmittel mit dem Namen DDT, das zu DDR-Zeiten aufgetragen wurde. Seit Ende der 1970er-Jahre ist die organische Substanz verboten, weil sie krebserregend ist. Lutz Gerischer vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Zwickau hat im Gebäude eine "erhebliche Kontamination" mit dem Holzschutzmittel festgestellt. "Wenn es auskristallisiert, ist das gefährlich, denn daraus entsteht Staub, der sich im ganzen Gebäude verteilt. Das ist dann unkontrollierbar." Mit rund zwei Tonnen Strahlgut werden die Arbeiter in den kommenden zwei Wochen darum die Balken bearbeiten und die Reste des DDT beseitigen. Sie dürfen in ihrer Schutzkleidung nicht essen und müssen duschen und sich umziehen, bevor sie den Heimweg antreten. Wenn sie fertig sind, wird noch einmal die Kontaminierung im Gebäude gemessen, erklärte Gerischer. Die Auswertung der Tests werde weitere zwei Wochen in Anspruch nehmen. Sollte der Wert, der dann ermittelt wird, immer noch höher sein als erlaubt, bliebe nur noch, die Balken zu streichen oder mit Folien abzudecken.
Gerischer betont, dass DDT zugelassen war, als die Balken damit behandelt wurden. "Es hat den Hausbock vertrieben. Wenn das nicht gemacht worden wäre, gäbe es heute überhaupt kein Dach mehr. Das muss man würdigen", sagte er. DDT stehe in der Tradition der Kampfmittel. In afrikanischen Ländern würde es auch heute noch als Mittel gegen Mücken, die Malaria übertragen, eingesetzt.
Projekt kostet 1,2 Millionen Euro
Die Sanierung der Turnhalle wird sich über zwei Jahre hinziehen und rund 1,2 Millionen Euro kosten, erklärte Bürgermeister Uwe Redlich (parteilos). Für den ersten Bauabschnitt erhält die Gemeinde 400.000 Euro Fördermittel. "Für den zweiten Abschnitt hoffen wir, das genauso hinzukriegen", sagte Redlich.
Für die rund 500 Mitglieder der Sport- und Spielvereinigung bedeutet das zu improvisieren. "Wir freuen uns sehr, dass die Halle saniert wird", sagte die Vorsitzende Heike Süssemilch. Es sei zwar schwierig, Ausweichquartiere zu finden, aber ihre Sportler zeigten sich beweglich. So würden anstehende Punktspiele im Volleyball in der Rosariumschule Glauchau ausgetragen und auch mit Lichtenstein stehe man in Verhandlungen.


