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Frauen wuchten schwere Eimer mit Schlamm und Wildwuchs aus dem Chursbach. Die Strafgefangenen mögen diesen Knochenjob.

Foto: Andreas Kretschel

Strafgefangene säubern Bachbett

12.000 Euro lässt sich Callenberg das Reinigen der Wasserläufe kosten. Für die Gemeinde sind die Frauen aus der JVA ein Glücksfall.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 19.05.2017

Langenchursdorf. Sandra R. hat am Anfang viel nachgedacht. Über das, was sie getan hat. Vier Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Das ernüchternde Urteil brachte sie viele Nächte zum Grübeln. An den Alltag hinter Gittern wird sie sich nie ganz gewöhnen können. "Im Oktober bin ich endlich wieder draußen", sagt die 30-Jährige aus Thüringen.

Wenn sie Eimer voller Schlamm und Wildwuchs aus dem Bett des Chursbaches wuchtet, fühlt sie sich frei. "Schönes Wetter, Arbeit an der frischen Luft, was will man mehr", sagt sie. Abends sei sie dann von der Schufterei so kaputt, dass sie sofort einschläft. "Dann komme ich nicht ins Grübeln, und die Wochen vergehen wie im Flug." Sie ist jedes Mal froh, wenn das Wochenende vorbei ist und sie wieder mit den Gummistiefeln in Langenchursdorf in den Bach steigen kann. Die Dresdnerin Patricia E. kann dem nur beipflichten. Auch sie gehört zu jenem Trupp Strafgefangener der JVA Chemnitz, die seit etlichen Jahren per Kooperationsvertrag die Wasserläufe in der Gemeinde Callenberg reinigen. Ihr hat das Gericht "nur" zehn Wochen aufgebrummt, sieben hat sie abgesessen. Bei der notorischen Schwarzfahrerin kannte Justitia keine Gnade mehr. "Seit meinem 13. Lebenjahr fahre ich schwarz Straßenbahn. Weil ich keine Lehren aus den Vorverurteilungen gezogen habe, hat das Gericht meine Bewährung widerrufen."

Gestern verstärkte auch Cindy S. aus Thüringen die Mannschaft um Betreuer Jens Heubach, der seit fünf Jahren mit seinen JVA-Insassinnen in der Gemeinde arbeitet. Er kennt langsam jede Bachbiegung und jede Brücke. "Das ist für Frauen schon eine ziemlich schwere Arbeit", sagt er. Zweimal pro Tag füllen sie einen 1,5 Kubikmeter-Container. "Aber wir sind dabei draußen, das ist angenehm. Drinnen gibt es auch mal Krach. Hier haben wir sogar Spaß", sagt S. "Viereinhalb Monate wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen", gibt die 29-Jährige ihr Urteil preis. "Ich kann es ja nicht ungeschehen machen." Am meisten fehle ihr die Familie. Und Patricia vermisst am meisten ihr Kind. Das sieht sie in drei Wochen wieder.

Für die drei Frauen ist die Arbeit am Bach eine willkommene Abwechslung. Sie bereinigen Anschwemmungen, Wildwuchs und jede Menge Müll - Bierdosen, Glasflaschen, Plasteabfälle, sogar CDs. "Das kurioseste war diesmal ein toter Fuchs. Dem fiel beim Anheben gleich das Skelett raus", erzählt Cindy S. und wuchtet den nächsten Eimer in den Container. 11,31 Euro bekommen die Frauen pro Tag, wer länger als vier Wochen dabei ist 12,81 Euro.

12.000 Euro lässt sich die Gemeinde die Dienstleistung der JVA kosten. "Wenn wir das von einer Firma erledigen lassen würden, das könnten wir überhaupt nicht bezahlen", sagt Bürgermeister Daniel Röthig (CDU). Er erkennt die Leistungen der Frauen hoch an. "Das ist eine wahnsinnig schwere Arbeit, und die erledigen die Frauen hervorragend", sagt der Gemeindechef. In diesem Jahr sind die Frauen hauptsächlich in Langenchursdorf am Wirken. Auch in Callenberg und Reichenbach. "Da hat uns eine Anwohnerin sogar Kaffee gebracht", sagt Patricia - eine Art Anerkennung, die sie im Leben nicht oft erfahren hat.

 
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