Die Hartensteiner Straße in Lichtenstein zu sanieren, wird eine langwierige Angelegenheit.
Foto: Andreas Kretschel
Streit mit Nachbarn undweniger Geld trüben die Bilanz
Lichtensteins Bürgermeister über Wohlfühlfaktoren einer Stadt und Entscheidungen in diesem Jahr
Lichtenstein. Das Daetz-Centrum, Schulsanierungen und Straßenbauprojekte beschäftigen die Lichtensteiner auch in den kommenden Monaten. Bürgermeister Wolfgang Sedner (CDU) blickt zwar auf ein gutes Jahr 2011 zurück, doch die Stadt hat große Aufgaben vor sich. Im Gespräch mit Jana Peters erklärt der 61-Jährige, wie sich in mehr als 21Dienstjahren sein Fokus verändert hat.
Freie Presse: Was ist das Beste, was Lichtenstein im vergangenen Jahr passiert ist?
Wolfgang Sedner: Früher hätte ich zuerst die Fortschritte in der harten Infrastruktur genannt. Aber mittlerweile bin ich da auf einer anderen Insel. Es geht mir heute darum, dass diese harten Faktoren wie Gewerbe, Straßen- und Wohnungsbau natürlich vorhanden sein müssen. Aber wichtig ist, dass Jung und Alt sagen: In dieser Stadt gefällt es mir, hier will ich leben. In den 1990er-Jahren habe ich mal gesagt, ich werde Straßen bauen, bis die Schwarte knackt. Einige Jahre später habe ich mir die Frage gestellt, was es nützt, wenn ich Fußwege gebaut habe, aber es läuft keiner drauf. Da war 2011 dieses tolle Jubiläum 100 Jahre Fußball für mich ein Prüfstein, ob das vorhanden ist, was ich meine. Und weil der Verein, Sponsoren und Fans das aus sich heraus entwickelt haben, hieß das für mich, ja, es ist da. Das war sehr schön zu sehen. Der zweite Leuchtturm 2011 war die 150-Jahr-Feier der Feuerwehr. Da kam heraus, mit welcher Begeisterung die Freiwilligen ihre Aufgabe erfüllen, die sie ja bis zum Einsatz ihrer Gesundheit bringen kann. Da hat eigentlich die ganze Stadt gefeiert.
Hat sich auch in Sachen Infrastruktur etwas entwickelt?
Da gab es zwei sehr erfreuliche Punkte. Das war die Gewissheit, dass die Sanierung der Grundschule Rödlitz jetzt mit fast doppelter Förderung als gedacht abgeschlossen werden kann. Und das andere war, dass die Sanierung des Gymnasiums uns zwar in der zeitlichen Vorgabe völlig durcheinanderbringt - weil wir mit 2013, maximal 2014 geplant hatten. Und jetzt muss alles 2012 geschafft werden. Aber erfreulich ist, dass die förderfähigen Kosten von 5,6 auf 6Millionen Euro aufgestockt wurden. Herz, was willst du mehr? Das war doch ein gutes Jahr.
Was sind weitere Ziele für 2012?
Wir möchten, dass die Sanierung der Hartensteiner Straße, eine Staatsstraße, die ja schon vom Bahnübergang bis zum Krankenhaus neu gemacht ist, fortgesetzt wird. Aber das ist sehr komplex, das wird sich über einige Jahre hinziehen.
Ist 2011 auch etwas nicht so gelaufen wie geplant?
Ich bedaure, dass St. Egidien und wir im Streit um die Einnahmen aus den Gewerbegebieten nicht zueinander gefunden haben. Da wäre mein Wunsch für 2012, die Probleme zu beseitigen. Was mir außerdem gar nicht gefallen hat ist, dass uns im Haushalt die größte Kraftanstrengung abverlangt wurde, die ich in den 21,5 Dienstjahren je erlebt habe. Dadurch, dass unsere Zuweisungen vom Staat gekürzt und gleichzeitig die Kreisumlage erhöht wurde, hatten wir von einem Jahr zum anderen weit mehr als 1,2 Millionen Euro weniger. Das hat uns in eine sehr schwierige Lage gebracht. Wir haben aber trotzdem alles geregelt bekommen und übernehmen freiwillige Aufgaben. Zum Beispiel haben wir trotzdem das Daetz-Centrum unterstützt und Feste gefeiert.
Apropos: Wie geht es 2012 mit dem Daetz-Centrum weiter?
Es wird ein Entscheidungsjahr. Das, was dort notwendig ist, lässt sich nicht aus den Besuchern finanzieren. Die Erkenntnis muss lauten: Es ist keine Wirtschaftseinrichtung, sondern wird immer ein kultureller Stützungsbetrieb bleiben. Die Frage ist nun, wie hoch die Stütze sein muss. Wenn wir einen Vertrag hätten, der noch bis 2020 läuft, würde ich sagen, auch das kriegen wir schon hin. Aber er läuft bis 2075. Darum wollen wir eine Vertragsanpassung. Da muss man sich so einigen, dass man sich aus triftigen Gründen auch friedlich trennen kann. Also wenn zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Stadt dauerhaft gefährdet wäre. So etwas haben wir momentan noch nicht. Wir wollen unseren Kindern eine Aufgabe hinterlassen, die sie auch leisten können müssen.


