Da der Schacht die Wassermengen bei Starkregen nicht aufnehmen kann, wird ein Amphibientunnel zur tödlichen Falle. Dies musste auch Teichpächter Holger Ehrig erleben.
Foto: Andreas Kretschel
Tunnel wird für Kröten zur Falle
Eigentlich sollen Amphibientunnel dafür sorgen, dass Kröten bei ihrer Wanderung sicher ankommen
Langenchursdorf. Wenn es stark regnet, haben die Kröten an der Straße zwischen Langenchursdorf und Reichenbach schlechte Karten. Denn ein Amphibientunnel, der eigentlich für ihre Sicherheit errichtet wurde, wird zu einer tödlichen Falle. "Zwar ist dort auch ein Wasserrohr, doch bei Hochwasser reicht dies nicht aus. Zudem ist es teilweise verstopft", erklärt Holger Ehrig.
Der 41-Jährige hat den Teich auf der anderen Straßenseite gepachtet, wo der Schlamm und die toten Tiere bei Starkregen angeschwemmt werden.
"Aus meiner Sicht ist es unverständlich, dass über andere Krötentunnel in der Region nachgedacht wird, wenn die bestehenden nicht kontrolliert werden", sagt der Langenchursdorfer. Denn seiner Meinung nach reicht es nicht, nur die Bauwerke zu errichten, wenn sie nicht regelmäßig gewartet werden. Diese Ansicht vertritt auch Manfred Sonntag vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Eigentlich sollen die Tiere mit den Amphibientunneln geschützt werden", erklärt er. "Doch es ist wesentlich aufwändiger, als nur ein Rohr unter der Straße zu verlegen." Denn die Tiere brauchen bei der Wanderung durch das Rohr eine Orientierung.
"Deshalb kann beispielsweise ein Substrat eingearbeitet werden." Besser als ein Tunnel ist nach seiner Meinung, dort wo es möglich ist, die Kröten, Frösche und Molche mit Sperrungen an ein anderes Laichgewässer zu gewöhnen. Zudem besteht laut Sonntag die Gefahr, dass die Amphibientunnel überflüssig werden könnten, wenn die Population der Tiere zu gering wird.
An der Reichenbacher Straße wurde der Tunnel 1998 während des Ausbaus der Kreisstraße gebaut. Damals wurde auf die rege Wanderbewegung der Amphibien reagiert. "Die Kosten beliefen sich auf rund 5000 Euro", erklärt die Sprecherin des Landratsamtes, Ilona Schilk. Doch da ein Teil der Unterlagen bereits archiviert wurde, gibt es keine weiteren Informationen.
Holger Ehrig hat sich deshalb bereits seinen eigenen Reim auf den Tunnel gemacht. "Wenn der Einlauf durch Verstopfung das Wasser vom Feld nicht mehr aufnehmen kann, dient der Krötentunnel als zusätzliche Entwässerung. Dadurch wird die Straße nicht überflutet", sagt der 41-Jährige.


