Die ehemalige Direktorin Karin Leipnitz vor der alten Schule in Callenberg. Sie hat das Gruppenfoto der letzten Schüler und Lehrer, die hier bis Juli 2007 gelernt und gearbeitet haben, mitgebracht.
Foto: Markus Pfeifer
Wo Kinder lernten, leben bald Senioren
Das ehemalige Schulgebäude in Callenberg ist verkauft worden
Callenberg. Es ist ein Gebäude, das schon viel erlebt hat: Das ehemalige Schulhaus in Callenberg. Jetzt blickt es neuen Aufgaben entgegen. Im kommenden Jahr soll das Haus zu einem betreuten Wohnen für Senioren und einer Tagespflege umgebaut werden. Eine Chemnitzer Firma hat es gekauft und dafür 38.000 Euro bezahlt. Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist noch frisch. Darum möchte sich der Käufer auch noch nicht zu Details äußern. Aber es sollen 20 Arbeitsplätze entstehen, verrät Bürgermeister Andreas Matthäi (Freie Wähler).
Für Karin Leipnitz ist das eine positive Neuigkeit. Sie ist die letzte Direktorin der Schule, die 2007 geschlossen wurde. "Ich finde das sehr gut", sagt sie, während sie den Blick über das Haus wandern lässt. "So lebt der Geist der Bildung und Kultur in den Mauern weiter." Denn in ihren Augen hat die Pflege die Aufgabe, den älteren Menschen auch Bildung und Kultur zu vermitteln. "Es wäre schön, wenn dann die Verbindung zur Grundschule und zum Kindergarten gepflegt wird", sagt sie. So könnten die Kinder von der Begegnung mit der älteren Genera-tion lernen. "Die Schule kann auch vom Wissen der Älteren profitieren", ist sich die 62-Jährige sicher.
1981 kam Leipnitz aus Delitzsch an die Callenberger Schule, zunächst als Lehrerin für Deutsch, Mathe und Kunst. Ab 1992 war sie Direktorin. "Als ich hier her kam, hatten wir noch bis zu 350 Schüler", erinnert sie sich. Doch dann sanken die Zahlen. Darum zog die Mittelschule nach Langenberg. Nur die Grundschule blieb. 2007 waren es nur noch 70 Schüler. Aus diesem Grund fusionierten die Grundschulen von Callenberg und Langenchursdorf und fanden ihr Domizil in Langenberg. Karin Leipnitz hat ein Foto mitgebracht. Darauf zu sehen: Ein Gruppenbild des letzten Jahrgangs 2007. Noch ein Jahr lang arbeitete sie als Lehrerin in Langenberg, bevor sie in den Ruhestand ging. "So konnte ich das neue Klima in der großen Grundschule noch genießen. Die leisten dort tolle Arbeit." Übergangsweise wurde der Kindergarten im Schulgebäude untergebracht. "So waren wenigstens Kinder im Haus", sagt Leipnitz.
Sie fühlt sich mit dem Schulhaus verbunden. "Hier ist es gut zu sehen: 1886", sagt sie und zeigt auf eine eingemeißelte Zahl auf Kniehöhe. "Das muss das Jahr der Grundsteinlegung sein." Das Haus habe eine lange Geschichte, und die Bevölkerung habe immer dahinter gestanden. "Darum war es auch nicht einfach, die Schule aufzugeben", erinnert sie sich. "Natürlich gucke ich immer rüber, wenn ich hier vorbei fahre", sagt sie. Aber sie sei nicht der Typ für Wehmut. "Man muss der Realität ins Auge blicken."


