Jend Gruhnert wohnt am Lampertusweg. Sein Haus wird nicht an das neue Stromkabel angeschlossen.
Foto: A. Kretschel
Wohnhäuser bleiben trotz neuer Leitung am 20 Jahre alten Kabel
Anwohner des Lampertusweges wundert sich über Energieversorger Envia M - Das Unternehmen schließt nicht jedes Eigenheim an
Hohenstein-Ernstthal. Jend Gruhnert versteht die Welt nicht mehr. Weil sein Haus zu weit von der Straße entfernt steht, wird es nicht an das neue Stromkabel angeschlossen. Der 51-Jährige wohnt am Hohenstein-Ernstthaler Lampertusweg, also an der Straße, die in den vergangenen Wochen mehrfach durch das gefundene giftige Arsen und der damit verbundenen Kostenexplosion Schlagzeilen gemacht hat. "Ich kann das nicht nachvollziehen. Das ist alles eine Sauerei", sagt Gruhnert.
Seinen Strom bekommt er derzeit über eine Freileitung. Sie hängt an Masten und ist bereits mehr als 20 Jahre alt. Der Energieversorger Envia M lässt daher in den Untergrund ein neues Stromkabel verlegen. Doch längst nicht alle Häuser am Lampertusweg werden daran angeschlossen. Nur die nah an der Straße stehenden erhalten künftig aus dem Erdkabel ihren Strom.
Dass nun weiterhin gleichzeitig die Freileitung genutzt wird, stört Gruhnert nicht. "An sich ist mir das egal, wie der Strom zu meinem Haus kommt." Er habe jedoch bereits Geld ausgegeben. "Der Energieversorger informierte uns darüber, dass wir per Erdkabel angeschlossen werden sollen. Daher zog Jend Gruhnert an seinem Haus neue Kabel. Schließlich sollte der Strom nicht mehr in luftiger Höhe, sondern eben am Boden ankommen. Nun fehlt jedoch noch das rund 20 Meter lange Kabel, das das Haus mit der in der Straße verlaufenden Leitung verbindet. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich würde gern die Einfahrt pflastern, kann das aber nicht. Vielleicht muss am Ende doch noch alles geöffnet werden", sagt er. Anderen Nachbarn gehe es ähnlich.
Jürgen Knobloch vom Envia Netzservice in Stollberg verweist auf die Kosten. Da auf der Straße ohnehin gebaut wird, lässt das Unternehmen das Kabel gleich mit in den Boden legen. "So vermeiden wir, dass die Straße später noch einmal geöffnet werden muss." Die Firmen sind darauf bedacht, möglichst wenig belastete Erde abzutragen, denn das Material muss teuer als Sondermüll entsorgt werden. Die Besitzer der nah an der Straße stehenden Häuser haben somit Glück. Auf ihren Grundstücken muss nicht extra ein langer Graben ausgebaggert werden. Die Häuser lassen sich auf kurzem Weg anschließen. Ob und wann die anderen folgen, das konnte Jürgen Knobloch nicht beantworten. "Wir sind aber vorbereitet." Rund 50.000 Euro werden von dem Versorger investiert, inklusive einer neuen Trafostation. Jend Gruhnert will nun weiter abwarten. "Etwas anderes bleibt mir nicht übrig."
Kosten steigen deutlich
In den Lampertusweg kommt nicht nur ein neues Stromkabel. Mehrere Ver- und Entsorger lassen Trinkwasserleitungen legen und einen neuen Abwasserkanal bauen. Ein neuer Straßenaufbau und eine neue Deckschicht sind geplant. Die Stadt bringt sich mit ein. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 571.000 Euro. Vorgesehen waren 439.000 Euro. Die Anwohner zahlen Straßenausbaubeiträge. Bis zu 30 Prozent müssen die Betroffenen tragen. Für die zusätzlichen Kosten wegen der Arsenbelastung müssen sie aber nicht aufkommen. (geom)

