Seit März wollen Eigenheimbauer hier loslegen.
Foto: Andreas Kretschel
Wohnungsbau in Lichtenstein: Stadt verabschiedet sich von Großprojekt
Im Stadtteil Callnberg sollten ursprünglich Wohnungen für 1500 Menschen entstehen
Lichtenstein. Die acht Familien, die in Callnberg hinter der Turnhalle Turnerweg bauen wollen, müssen sich weiter gedulden. Enttäuscht verließen zwei Paare die Sitzung des Technischen Ausschusses am Montag, nachdem die Mitglieder ihren Wünschen, dem Eigenheim schnell näher zu kommen, mehrheitlich nicht nachkamen. Bauamtsleiter Mario Hößler nämlich empfahl nach Rücksprache mit dem Landratsamt einen Umweg: Ein Teil des alten Bebauungsplanes, der mehrgeschossigen Wohnungsbau für 1500 Menschen vorsah, wird geändert.
Bürgermeister Wolfgang Sedner (CDU) drückt allerdings aufs Tempo: Zur Ratssitzung im August soll der neue Plan in den Stadtrat kommen. Die jungen Leute sollen nicht abwandern. Das aber hat Makler Frank Löffler, der seit März auf Antworten aus dem Rathaus wartet, erst vorige Woche erlebt: "Die meisten fragen, wo es sofort los geht". Ein Paar hat sich bereits für Nachbarn im Erzgebirge entschieden.
Eigenes Neubaugebiet geplant
Dabei war die Stadt einst Wohnungsbau-Vorreiter: 1993/94 ist der Bebauungsplan "Callnberg Südwest/Am Stadtgut" entwickelt worden. Für eine Stadt, die bis ins Jahr 2000 hinein vom demografischen Wandel verschont zu bleiben schien, sollte ein riesiges Neubaugebiet entstehen, mit fingerartigen Einbahnstraßen, Fuß- und Radweg zur Bahnbrücke, Brunnen hinter der Turnhalle, Spielplatz, Sportfeld und Café. Die Erdgeschosswohnungen mit Gärten, oben terrassierte Dachgeschosse. Bauamtsleiter Hößler: "Der genehmigte Bebauungsplan war ein Standortvorteil."
Verantwortlich für die Erschließung war und ist die Firma Hellmich. Laut Prokurist Bernd Herbig ist die Zeit des Geschosswohnungsbaus vorüber. Seit geraumer Zeit gibt es aber Interessenten für Eigenheime. Seit der Quadratmeterpreis von 90 auf 69 Euro gesenkt wurde, sind es acht Familien. Speziell auf 3 der insgesamt 11 Hektar Bauland, einer Fläche zwischen Gleisen und Kreisverkehr, waren Eigenheime nicht vorgesehen. Die Bauwilligen hofften auf Ausnahmeregelungen. Doch die lehnte der Ausschuss ab.
Stattdessen soll das Quartier, in dem einst 729 Menschen wohnen sollten, nun aus Gründen einer relativen Einheitlichkeit umgeplant werden. Planer Thomas Wende: "Die Grundzüge bleiben: Wohnen im Grünen. Statt der Mehrgeschosser sind jedoch Eigenheime und Stadtvillen vorgesehen." Wende war einer der wenigen, der für die Häuslebauer abstimmte: weil die geplante Änderung des Bebauungsplanes nicht ausschließt, dass für sie eine Ausnahme getroffen wird.
Makler: Zeitdruck ist groß
Auch wenn die nicht kommt, will Wende dranbleiben: "Jetzt wird ein Zeitplan abgestimmt, damit es so schnell wie möglich geht." Prokurist Herbig will sich ebenso ins Zeug legen: "Wir werden den angepassten Erschließungsvertrag pünktlich vorlegen". Zudem will er im Landratsamt klären, wie den Bauwilligen geholfen werden kann. Sedner sicherte ebenfalls Hilfe zu, falls es bei jemandem zeitlich eng werde.
"Wir haben zeitlichen Druck, und was für welchen", sagte Makler Löffler. Bei einer Familie hängen Arbeitsplätze dran.

