Im Waldenburger Museum kann man Steinzeug, wie es auch Martin Luther einst besaß, besichtigen.
Foto: Wiegand Sturm
Luther kaufte Waldenburger Steinzeug
Uwe Siemon sieht Projekt "Lutherweg in Sachsen" noch nicht abgehakt
Waldenburg. Stadtrat Uwe Siemon (Bürgerinitiative für gerechte Kommunalabgaben) überweist sein Sitzungsgeld, das er pro Jahr bekommt, an die Stadt zurück. "Das macht mich in meinen Entscheidungen unabhängig", sagt er und "vielleicht könnte damit das Projekt Lutherweg wieder angeschoben werden". Zwar hatte sich der Stadtrat gegen eine Beteiligung am Lutherweg ausgesprochen, doch Siemon gehört zu denjenigen, die das anders sehen. "Wer A sagt, muss auch B sagen", meint er.
Neben den 3000 Euro, die die Stadt für ihre Beteiligung am Lutherweg, verteilt auf drei Jahre, zahlen sollte, war für die Mehrheit der Räte ein Gegenargument, dass Martin Luther nie in Waldenburg gewesen sei. Er muss aber Waldenburg gekannt haben, denn er war einer der Hauptabnehmer von Waldenburger Steinzeug, das im 16. Jahrhundert produziert und gehandelt wurde. Nach den Worten von Stephan Krabath, Wissenschaftler im Landesamt für Archäologie, ist bei Ausgrabungen im Wittenberger Augustinerkloster, in dem Luther gelebt und gearbeitet hat, auch Waldenburger Steinzeug gefunden worden. Über die archäologischen Funde gebe es auch eine Magisterarbeit. "Dass Luther ein Abnehmer des damals berühmten Steinzeugs gewesen ist, passt wie die Faust aufs Auge, wenn es um den Lutherweg in Sachsen geht", sagt Krabath.
Autorin der Magisterarbeit ist Nadine Holesch, die an der Martin-Luther-Universität in Halle arbeitet. Das Waldenburger Steinzeug ist nur ein kleiner Teil des Gesamtfundes, sei aber durchaus bedeutsam. Die ausgegrabenen Gegenstände stammen aus der Zeit vom 16. Jahrhundert bis zum 18. und 19. Jahrhundert. Neben dem Steinzeug aus Westsachsen waren auch irdenes Geschirr, Münzen, Buchbeschläge, Trachtengegenstände aus Buntmetall, ein goldener Fingerring und Zapfhähne dabei. Dem Waldenburger Steinzeug seien "hoch dekorierte Stücke" zuzuordnen, wie zum Beispiel ein Gesichtskrug mit blattähnlichen Auflagen, röhrenförmige Reste eines Scherzgefäßes und Fragmente eines doppelwandigen Kruges mit Durchbruchmuster. Doch gebe es in Wittenberg keine Quellen über den Handel, sodass auch keine gesicherten Aussagen darüber getroffen werden können, ob Martin Luther das Steinzeug in Waldenburg selbst gekauft hat oder es über Zwischenhändler zu ihm nach Wittenberg kam.
Nadine Holesch stammt aus Westsachsen, sie wurde in Zwickau geboren und wuchs in der Nähe von Zwickau auf. Derzeit lebt sie in Halle. "Ich würde mich mit dem Waldenburger Steinzeug innerhalb meiner Dissertation gern wieder beschäftigen", sagt die 30-Jährige. Wie das vonstattengeht, stehe noch nicht fest.
Neben dem Wittenberger Fund gibt es in Waldenburg weitere Berührungspunkte zwischen Luther und der Töpferstadt. So erinnert zum Beispiel eine Gedenktafel am Geburtshaus Jahnstraße 1 an den Naturmaler Moritz Meurer (1839 bis 1916). Dessen Vater war Pfarrer, Lutherbiograf und am Bau der St.-Katharinenkirche in Callenberg beteiligt. Direkt am künftigen Lutherweg gelegenist die in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts erbaute Lutherkirche.


