Insbesondere für die kleinen Besucher des Aktionstages war es eine ganz neue Erfahrung, einmal in einem Sportrollstuhl zu fahren und dann auch noch einen Korb zu erzielen.
Foto: Andreas Wohland
Rollstuhltest macht Nöte Anderer bewusst
Rund 3000 Besucher beim Gesundheits- und Selbsthilfetag
Zwickau. Selbsthilfetag - für die Betroffenen willkommener Anlass einmal öffentlich über ihr Schicksal oder ihre Beschwerden zu klagen? Wer das von der Veranstaltung erwartet hatte, war auf dem Holzweg. Stattdessen gab es auf dem Hauptmarkt eine Vielzahl von Sport- und Spielangeboten, buntes Bühnenprogramm sowie zahlreiche Aktionen am Rande. Darüber hinaus standen Mitglieder von 36 der insgesamt 208 im Kreis tätigen Selbsthilfegruppen (SHG) bereit, um Fragen zu beantworten oder von Fall zu Fall konkrete Hinweise auf mögliche Hilfe zu geben. Eines fiel Hella Zimmermann vom Deutschen Allergie- und Asthmabund auf: "Selbst wenn hier eine sehr lockere Atmosphäre herrscht, ist die Hemmschwelle noch immer relativ hoch. Viele Betroffene scheuen den Gang zum Arzt, sprechen selbst uns erst an, wenn sie schon erhebliche Probleme haben. Immerhin ist das aber ein erster, wichtiger Schritt."
Für Frank Preuß von der SHG Aphasie und Schlaganfall Meerane/Crimmitschau stellte der Gesundheits- und Selbsthilfetag eine gute Möglichkeit dar, Betroffene und Angehörige über das Krankheitsbild zu informieren. "Allein wären wir nicht imstande, eine so breite Öffentlichkeit zu erreichen. Wir wollen auch zum Ausdruck bringen, dass sich niemand für seine Krankheit schämen muss und man nach der Reha gemeinsam viele Hürden meistern kann", sagte er.
Von schweren Krankheiten ist die 17-jährige Susann Großer bislang verschont geblieben. Rein aus Interesse setzte sie sich am Sonnabend einmal in einen Rollstuhl. "Es war eine coole Erfahrung - wohlgemerkt aber nur, weil ich nicht darauf angewiesen bin. Mit einem Rollstuhl zurande zu kommen, ist schwieriger, als ich gedacht hätte. Allein schon über eine Kabelabdeckung zu fahren, die für einen Nichtbehinderten kein Hindernis darstellt, hat mich einiges an Kraft gekostet", sagte sie. Für Kinder, die mit Spielern des RSC-Rollis ein wenig Rollstuhlbasketball probierten, war das Ganze noch ein Spiel.
"Vielleicht bleibt aber in ihrem Gedächtnis haften, dass es gar nicht so einfach ist, sich mit einem Rollstuhl fortzubewegen", sagte RSC-Spieler Maik Nötzelmann. Astrid Badstübner, Vorsitzende des Vereines "Gesundheit für alle", zog ein positives Fazit: "Wir haben unser Hauptziel, mit diesem Tag die Aufmerksamkeit der Menschen auf ehrenamtliches Engagement der Selbsthilfebewegung zu richten, mehr als erreicht." Zugleich stellte sie klar, ohne Hilfe der Stadt und zahlreicher Sponsoren, hätte das so nicht funktioniert. Wünschen würde sie sich, dass der Landkreis bei künftigen Gesundheits- und Selbsthilfetagen deutlich mehr Flagge zeigt und sich einbringt.
Leider waren die zwei Fachvorträge des Tages nicht so gut besucht, wie Gabriele Bachmann, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, es sich gewünscht hätte: "Es ging um Probleme von Kindern und Jugendlichen. Besonders schade finde ich, dass so wenige Lehrer und Erzieher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sich das anzuhören."


