Vor der Politesse oder wie es Neudeutsch Gemeindevollzugsbedienstete heißt, ist in der Gemeinde Callenberg niemand mehr sicher. Das Auto mal kurz falsch abgestellt, schon klebt ein Knöllchen dran - so zumindest zeigt es dieser Umzugswagen.
Foto: Andreas Kretschel
Sachsens wahrscheinlich kleinster Karnevalsumzug zog durch Langenchursdorf
Ärger wird spaßig dargestellt
Langenchursdorf. Obwohl es im Ort gar keinen Faschingsklub gibt, konnten am Sonntag Karnevalfans entlang der Schulstraße vorbeifahrenden Umzugswagen zujubeln. Denn die Sportgemeinschaft Chursbachtal und die Organisatoren des jährlichen Teichfestes haben dafür gesorgt, dass auch Langenchursdorf seinen eigenen, wenn auch kleinen Umzug bekommt. Und nicht nur das. Weil ein Prinzenpaar nicht fehlen darf, wurde auch ein solches mit Marina I. und Frank I. gekrönt.
Schlagzeilen werden zu Bildern
Gerade mal neun Wagen zogen an den jubelnden Faschingsfans vorbei. Auf die Schippe genommen wurde dabei von der Lokalpolitik bis hin zur großen Politik so ziemlich alles. Womit die Gemeinde Callenberg, zu der Langenchursdorf als einer von sieben Ortsteilen gehört, in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten ist, spiegelte sich auf den Umzugswagen wider. Lange hatten sich die Callenberger beispielsweise gegen die Einstellung einer Vollzugsbediensteten im Ort gewehrt. Doch umsonst. Jetzt gibt es die Politesse. Und schon fühlt sich keiner mehr sicher. Ein Knöllchen nach dem anderen werde verteilt, heißt es. Für die Organisatoren ein ideales Thema zum Karneval.
Auch der Ärger mit der Langenchursdorfer Turnhalle, die wegen Schimmels geschlossen wurde, ist von den Narren im Ort aufgegriffen worden. Auf einem der Wagen wurde ein Modell der Turnhalle durch den Ort gezogen. Auf dem Dach stand symbolisch ein kleiner Schimmel. Und vor der Turnhalle ein richtig großer - ob damit der Amtsschimmel gemeint war, kann jeder für sich selbst entscheiden.
Nicht zuletzt wurde auch der Ärger mit dem Springbrunnen ins Bild gesetzt. Der war aus Sicht vieler in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen worden. Das verstehen viele Langenchursdorfer nicht. Auf dem Hänger eines Umzugswagens stand der Brunnen noch. Doch die beiden Forellen, die das Bauwerk einst zierten, waren jetzt nur noch als Fischkräten vorhanden.
Für die große Politik musste Bundeskanzlerin Angela Merkel herhalten. Alles geht den Bach runter, meinen die Langenchursdorfer und setzten die Kanzlerin kurzerhand in ein Boot. Dort war sie nicht allein, sondern hielt ein kleines Hündchen im Arm. Die Bedeutung blieben die Festorganisatoren den Zuschauern am Straßenrand nicht schuldig: "Angela und ihr französischer Schoßhund" stand auf einem Transparent.
Wiederholung ist versprochen
Am Nachmittag haben die Teilnehmer des Umzuges zusammengesessen und gemeinsam ausgiebig den Erfolg ihres Straßenumzugs gefeiert. "Das waren bestimmt fast 1000 Zuschauer, die uns zugejubelt haben", sagte Frank Haupt, einer der Hauptorganisatoren und Faschingsprinz in Personalunion. Dieser Erfolg soll nun auch Folgen haben. Denn während der Umzug eine einmalige Sache bleiben sollte, wurde bereits gestern Nachmittag festgelegt, dass es 2013 eine Wiederholung gibt. Und nicht nur das. "Bis dahin gründen wir auch einen Karnevalsverein", sagte Haupt.


