Schäden und jede Menge Kuhfladen erinnern an den tierischen Besuch. Renate Reißmann, Hartmut Schöbel und Roswitha Borowsky (rechts) zeigen auf die Ligusterhecke. Die kräftigen Bullen sind durch das brusthohe Gestrüpp marschiert, als wäre es Luft. Geblieben sind solche Lücken.
Foto: Thomas Michel
Ausgebüxte Bullen verwüsten Gärten in Crimmitschau
Rinderherde sucht Gartenanlage "Waldblick" zum zweiten Mal innerhalb einer Woche heim
Crimmitschau. Michael Zeißler, Vereinschef der Kleingartenanlage "Waldblick" an der Zeitzer Straße in Crimmitschau, saß in seiner Parzelle gerade am Frühstückstisch: "Plötzlich hörte ich's rumsen." Als er sich umdrehte, traute er seinen Augen nicht. Da stand eine Buntgescheckte in Nachbars Garten. Beim genaueren Hinsehen stellte er fest, dass sich eine ganze Herde in der Anlage tummelte. Neun Rindviecher trotteten seelenruhig über die Beete. "Das waren alles Bullen", sagt Zeißler.
Die Kleingärtner lockten die Tiere mit gefüllten Wassereimern auf die angrenzende Wiese, zäunten sie mit Absperrband ein. Dort standen sie dann ganz brav und haben gesoffen, bis sie der Eigentümer abholte. Das nahmen die Laubenpieper noch mit einem gewissen Humor.
Am Donnerstagmorgen verging den Kleingärtnern allerdings das Lachen. In der Nacht hatte die Herde eine zweite Attacke geritten. Die Ligusterhecke war an mehreren Stellen durchbrochen. Auch ein kniehoher Maschendrahtzaun hatte die Tiere nicht aufhalten können. In der 500-Quadratmeter-Parzelle Nummer 6 sind die Spuren nicht zu übersehen. Roswitha Borowsky steht vor ihrem ramponierten Erdbeerbeet, abgeknickten Rosen und querfeldein liegenden Kuhfladen.
Bei Renate Reißmann zertrampelten die Tiere den frisch gesäten Rasen, zerlegten die Trockenmauer und demolierten beim Aufdrücken des hinteren Tores den Riegel. Im Garten von Hartmut Schöbel überstanden die Glaskugel einer Lampe und eine Scheibe des Gewächshauses den tierischen Besuch nicht. Die Zuckererbsen schmeckten den Tieren offenbar besonders gut.
Roswitha Borowsky erstattete Anzeige bei der Polizei. Die 70-Jährige ist sauer: "Meine Arbeit ist umsonst. Wenn das noch ein paar Mal passiert, gebe ich den Garten auf."
Den Besitzern der Bullenherde, Kristin und Jens Wagner, ist der Vorfall äußerst unangenehm. "Mein Mann kontrolliert jeden Abend 20.30 Uhr noch einmal die Weidezäune. Die waren auch am Mittwochabend in Ordnung", sagt Kristin Wagner. Sie glaubt inzwischen, dass die Zäune mutwillig zerstört werden. "Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass die Pfähle herausgerissen oder Drähte zerschnitten waren. Leute haben auch schon Quad-Fahrer quer über die Fläche fahren sehen. Weil das aber als Verschulden Dritter gewertet wird, zahlt die Betriebshaftpflichtversicherung nicht", erklärt die Frau. "Wir lassen uns auf jeden Fall in der Gartenanlage sehen. Da ist eine nette Geste fällig. Mein Mann steckt aber derzeit voll in der Ernte und hat kaum für etwas anderes Zeit."
Die Betroffenen sollen ihre Schäden fotografisch dokumentieren. Wagners wollen trotzdem versuchen, diese bei der Versicherung geltend zu machen.

