Bahn bittet Radfahrer zur Kasse
Tarife für Kunden schwer durchschaubar
Werdau. Ivo Dämmrich ist Pendler. Seinen Hauptwohnsitz hat der 35-Jährige in der Nähe von Schmölln, seine Nebenwohnung in Werdau. Um von einem Ort zum anderen zu gelangen, nutzt der junge Mann mehrmals die Woche die Bahn. Die letzten Meter zwischen den Haltepunkten in Werdau-Nord und Ponitz bis zu den jeweiligen Wohnungen legt er mit dem Rad zurück. Der Fahrpreis für die drei Stationen beziehungsweise 14 Bahnkilometer beträgt 3,40 Euro. Hinzu kommen noch einmal 5 Euro für die Mitnahme des Fahrrades. Für ihn sind die Tarife unlogisch. "Werdau liegt im Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). Dort ist die Mitnahme von Fahrrädern kostenlos", sagt Ivo Dämmrich.
Im Prinzip könnte er beispielsweise mit dem Zug von Werdau bis Annaberg-Buchholz fahren, ohne für die Mitnahme des Drahtesels extra zur Kasse gebeten zu werden. Ponitz gehört zum Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV), dessen Gebiet sich bis in den Großraum Leipzig/Halle erstreckt. Auch innerhalb des MDV können Fahrgäste das Rad unentgeltlich mitnehmen. "Warum werde ich dann zur Kasse gebeten, wenn in beiden Verkehrsverbunden die Fahrradmitnahme gratis ist", fragt sich Ivo Dämmrich. Er empfindet das Verhalten der Bahn als Abzocke, zumal auf keinem der beiden Haltepunkte die Kunden über diese Regelung informiert werden.
Für Bahnsprecher Jörg Pönisch sind die Tarife klar geregelt: Bei der Fahrt von Werdau-Nord nach Ponitz handelt es sich um eine verbundübergreifende Fahrt, sodass dafür die Preise der Deutschen Bahn gelten. Hier ist für die Fahrradmitnahme eine Tageskarte zum Pauschalpreis von 5 Euro zu entrichten und gilt unabhängig von der Entfernung. Allerdings räumt der Bahnsprecher auch ein, dass im Falle von Ivo Dämmrich die Regelung auf den ersten Blick ungerecht scheint. Da der Kunde die Tageskarte für die Hin- und Rückfahrt nutzen könnte, sehe das Bild schon anders aus.


