Das Pfarrgut an der Dorfstraße in Oberalbertsdorf wird von einem christlichen Verein genutzt. Die Organisation, die auf dem Anwesen seit 1994 sesshaft ist und Seminare anbietet, will ihre Kapazität vergrößern und plant dazu auf dem Gelände die Errichtung eines Neubaukomplexes.
Foto: Thomas Michel
Bauvorhaben beunruhigt Anwohner
Kirchlicher Verein will in Oberalbertsdorf einen Komplex neu errichten - bei den Nachbarn stößt das Vorhaben auf Ablehnung
Langenbernsdorf. Der Verein "Brunnen" hat große Pläne. Auf dem Gelände der christlichen Lebensgemeinschaft, die seit 1994 in einem alten Pfarrhof an der Dorfstraße in Oberalbertsdorf ihr Domizil hat, soll ein Neubaukomplex entstehen. "Die derzeitige Kapazität in dem Pfarrhaus und Pächterhaus reicht Seminaren, Workshops und ähnlichen Veranstaltungen nicht mehr aus", sagte der Leiter der Gemeinschaft, Hans Gärtner, als er dem Gemeinderat das Projekt vorstellte.
Um der gestiegenen Nachfrage nach den Angeboten des Vereins gerecht zu werden, ist auf dem Gelände, das die Organisation für 99 Jahre von der Kirche gepachtet hat, der Neubau eines Gebäudekomplexes mit einem Seminarhaus geplant. Dem Objekt sollen noch ein Speisehaus und ein Gästehaus angegliedert werden. Mit der Realisierung des Vorhabens will der Verein die Kapazität von derzeit 40 auf 80 Plätze erhöhen. Die bestehende Scheune auf dem Grundstück soll künftig als Empfang der Gäste dienen. Der geplante Komplex wird nach den derzeitigen Plänen künftig aus südlicher Richtung über die vorhandene Hofzufahrt erreichbar sein. Die Anlieferung erfolgt über die nördliche Dorfstraße. Dazu wäre noch der Bau einer Brücke notwendig. An Kosten sind insgesamt rund zwei Millionen Euro veranschlagt. Diese sollen mit Fördergeldern sowie eigenen Mitteln beglichen werden. Der neue Saal mit seinen rund 100 Plätzen könnte nach Gärtners Worten auch für kommunale Veranstaltungen genutzt werden.
Während der Technische Ausschuss und der Gemeinderat dem Vorhaben positiv gegenüberstehen, macht sich bei Anwohnern Unmut breit. Sven und Marion Seidl, die auf einem angrenzenden Grundstück vor 18 Jahren ein Eigenheim errichteten, fühlen sich von der kirchlichen Vereinigung übergangen. "Bisher haben wir von dem Vorhaben nur durch den Buschfunk erfahren. Der Verein hat mit uns als Nachbarn bisher noch nicht das Gespräch gesucht", machte sich Sven Seidl auf der Gemeinderatssitzung Luft. Die Familie befürchtet nach der Fertigstellung des Komplexes ein ständiges Kommen und Gehen. "Wenn an den Wochenenden bis zu 80 Seminargäste anreisen, ist es mit der Ruhe vorbei", sagt Marion Seidl. Zugleich stellt sich ihr die Frage, wo die Gäste künftig parken sollen. Schon jetzt sei die Kapazitätsgrenze erreicht. Für die Sorgen der Anwohner zeigte die Verwaltung Verständnis, konnte diese aber nicht entkräften. "Wir haben in der Bauvoranfrage nur zu entscheiden, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden und das ist der Fall", sagt die für Bauangelegenheiten zuständige Mitarbeiterin in der Gemeindeverwaltung, Sonja Zimmermann.
Eine Aussage, mit der sich Familie Seidl nicht zufriedengibt. "Als sich die Kommune 2007 für den Titel ,Unser Dorf hat Zukunft' bewarb, gehörte das bestehende Ensemble zu den Vorzeigeobjekten. Damals punktete die Gemeinde und gewann auf Bundesebene Bronze. Jetzt soll das Areal durch einen überdimensionierten Neubaukomplex zerstört werden und der Rat schaut zu. Das ist für mich nicht nachvollziehbar", sagt Marion Seidl.


