Fotografieren verboten: Liu Jian übersetzt für die Manager aus der chinesischen Acht-Millionen-Einwohner-Metropole die Werksführung von Westfalia-Produktionsleiter Torsten Jahn. 
Fotografieren verboten: Liu Jian übersetzt für die Manager aus der chinesischen Acht-Millionen-Einwohner-Metropole die Werksführung von Westfalia-Produktionsleiter Torsten Jahn.

Foto: Thomas Michel

Delegation aus China sucht nach Partnern in Zwickau und Umgebung

Beim Autozulieferer Westfalia überraschte die Unternehmer "wie wenig Menschen dort arbeiten"

Crimmitschau. Während Produktionsleiter Torsten Jahn erklärt, wie die riesigen Pressen mit dem Druck von gewaltigen 1600 Tonnen aus dem dünnen Stahlband im Sekundentakt Rückwände für Autositze drücken, hören die Männer aus China aufmerksam auf die Übersetzung aus den Kopfhörern. In der Halle ist es leiser als man es sich vorstellt, aber immer noch zu laut um auf technische Verstärkung zu verzichten. Hier wird Metall geformt.

So ganz geheuer ist Westfalia-Geschäftsführer Mathias Schwarzendahl das Interesse der chinesischen Unternehmer an seinem Werk in Crimmitschau wohl nicht gewesen. Fotografieren durfte bei der Führung durch die Betriebshalle des Autozulieferers jedenfalls nur die Presse. Die fünf Chinesen, bis auf den Übersetzer alle selbst mittelständische Unternehmer, mussten die Kameras im Futteral lassen.

Mittelstand im XXXL-Format

Wobei "mittelständisch" ein durchaus dehnbarer Begriff ist, wie Michael Stopp von der Industrie- und Handelskammer (IHK), der den Kontakt nach China geknüpft hat, erklärt: "Die Region Yangcheng ist durch den Automobil- und Maschinenbau vergleichbar strukturiert wie unsere Region. In China ist nur alles etwas größer". Yangcheng mit der Stadt Yandu als Zentrum hat etwa acht Millionen Einwohner. Der koreanische Autobauer Kia hat dort ein großes Werk und auch Volkswagen produziert an drei Standorten. Die Wirtschaftsregion Zwickau, zu der auch Werdau und Crimmitschau zählen, bewohnen rund 350.000 Einwohner. Neben einer Städtepartnerschaft der beiden Zentren, erhoffen sich die Chinesen vor allem eine Kooperation mit Unternehmen. "Wir laden Firmen ein, Niederlassungen bei uns zu gründen, denn wir möchten von ihrem Wissen profitieren und ihre Technik kaufen", sagte Liu Jian. "Wir sind wirtschaftlich noch ziemlich rückständig", erklärt der Übersetzer mit großer Offenheit.

"Schön sauber hier"

Von dem Crimmitschauer Werk, indem Metallteile für Autositze geformt werden, zeigte sich die Delegation beeindruckt: "Ich möchte etwas von ihrer Firma lernen. Hier läuft alles so sauber und automatisch ab, mit viel weniger Personalaufwand als bei uns", sagte Jiangsu Chixiang, Vorstandsvorsitzender einer Fabrik mit etwa 400 Mitarbeitern, die Zahnräder herstellt.

"Auf Wiedersehen" sagen die Chinesen zum Abschluss. "Wir werden sehen" antwortet Geschäftsführer Schwarzendahl. Der Absatzmarkt China sorgt bei ihm noch nicht für Euphorie. Er nennt zwei Gründe: "Die Arbeiter vor Ort müssten erst mal qualifiziert werden. Das dauert. Wir haben ja schon Probleme, auf dem heimischen Arbeitsmarkt genügend qualifiziertes Personal zu finden".

Zweitens lebe der High-Tech-Standort Deutschland von ständiger Weiterentwicklung und Forschung. China hingegen eher von der Massenproduktion. Und von guten Kopien.

 
erschienen am 05.06.2012 ( Von Christian gesellmann )
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