>Handwerker René Knoll von der Crimmitschauer Baufirma Schaffer und Neumann kontrolliert an einem der betroffenen Balken, ob die Schrauben festsitzen. Durch das Holz ziehen sich lange Risse. Foto: Thomas Michel
Einsturzgefahr: Stadt lässt Sporthalle sperren
Prüfer entdecken in Schulturnhalle Frankenhausen breite Risse in Deckenbalken
Crimmitschau. Crimmitschau. Die Turnhalle der Grundschule im Crimmitschauer Ortsteil Frankenhausen ist wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. In sechs Holzbalken haben sich große Risse gebildet. "Die Tragfähigkeit der Decke ist nicht mehr gewährleistet", erklärte am Mittwoch Stadtsprecher Sascha Vogelsang. Das ergab am Montag das Gutachten eines von der Stadt angeforderten Baustatikers. Bei einer Routineuntersuchung hatten Mitarbeiter des Bauamtes die Risse festgestellt und den Experten gerufen. "Wir mussten schnell reagieren und das Gebäude sperren. Man hat schließlich gesehen, was in der Vergangenheit in anderen Sporthallen passiert ist", sagte Vogelsang. Vor vier Jahren stürzte im bayerischen Bad Reichenhall die Holzdecke einer Eissporthalle ein. 15 Menschen, darunter 12 Kinder, kamen ums Leben. Grund waren schlecht haltende Leimverbindungen. Daraufhin kam es gerade bei Schneelasten bundesweit immer wieder zu Hallensperrungen.
Ob der strenge Winter der Auslöser für die Deckenprobleme ist, konnte Stadtsprecher Sascha Vogelsang am Mittwoch nicht sagen. "Wir müssen zunächst die Untersuchungen abwarten, die momentan noch laufen." Fest steht, dass bereits im Jahr 2007 Risse in tragenden Deckenbalken festgestellt wurden. Diese seien aber sehr fein gewesen und hätten kein Problem dargestellt. Einen Anlass zum Sperren der Turnhalle gaben sie laut Vogelsang nicht. Immerhin aber wurde fortan jährlich kontrolliert.
Derzeit legen Handwerker in der Turnhalle die Deckenbalken frei, um die Ursache für die Vergrößerung der Risse zu finden. Wie lange die Arbeiten dauern, wann es ein Sanierungskonzept gibt und ob das Dach komplett erneuert werden muss, ist derzeit noch völlig unklar. Daher sucht die Stadt fieberhaft nach Ausweichmöglichkeiten für den Schulsport. Die Turnhalle der Käthe-Kollwitz-Schule kommt dafür nicht infrage, so Vogelsang. Ab Ende März steht dort eine planmäßige Sanierung an. "Wir versuchen, die Turnhalle in der Sahnschule während der Frühstunden zu nutzen. Zudem prüfen wir, inwieweit sich kostenpflichtige Kapazitäten nicht kommunaler Einrichtungen nutzen lassen." Vogelsang hofft auf einen milden Frühling. Dann sei Schulsport im Freiem möglich. Betroffen sind nicht nur die Grundschüler, sondern auch die vielen Vereine, die bisher in der Turnhalle der Grundschule Frankenhausen trainieren konnten. Sie sollen vorübergehend in die Turnhalle der Grundschule Blankenhain wechseln. "Ich kann verstehen, dass Eltern und Verein unzufrieden sind, wenn Trainings- und Schulsportmöglichkeiten wegfallen", bemühte sich am Mittwoch Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau) um Verständnis. "Die Sicherheit der Hallenbenutzer hat aber Priorität. Die vorübergehende Schließung ist alternativlos."


