Leerstehendes Geschäft So wie für dieses Geschäft in der Crimmitschauer Silberstraße, unmittelbar am südlichen Beginn der Fußgängerzone, werden derzeit für zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt neue Mieter gesucht.

Foto: Thomas Michel

Händler wandern aus dem Zentrum ab

Die Verantwortlichen im Rathaus haben bisher kein Patentrezept für einen Ausweg aus der Krise

Crimmitschau . Immer mehr Händler verlassen die Innenstadt. Die Besucher, die sich am Mittwoch zum Neujahrsempfang auf den Weg in das Theater machen, entdecken in der Fußgängerzone insgesamt 15 leer stehende Geschäfte. Am meisten Probleme gibt es an der Badergasse und an der Silberstraße zwischen Markt und Mannichswalder Platz.

Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau) hat bisher kein Patentrezept für den Ausweg aus der Innenstadt-Misere parat. Deshalb hält er zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Krisengipfel mit Hauseigentümern und Gewerbetreibenden für wenig effektiv.

"Die Lage ist nicht hoffnungslos. Ich kann mich aber erst mit den Leuten zusammensetzen, wenn wir konzeptionelle Vorstellungen präsentieren können", sagt Holm Günther. Das Stadtoberhaupt setzt sich bei der Innenstadtbelebung ein mittelfristiges Ziel: "Wir machen keinen Hehl daraus. Bis 2014 wollen wir ein ganzes Stück weiter sein". Dann soll das 600-jährige Stadtrechtsjubiläum gefeiert werden.

Viele Ideen, die für eine Aufwertung der Badergasse sorgen sollten, konnten bisher nicht umgesetzt werden. Das Kaufhaus steht seit dem Oktober 1999 leer. Das Mütter- und Familienzentrum "Wespennest" hat seine Türen geschlossen. Der Plan eines Investors, der im Plattenbau ein Medizinisches Kompetenzzentrum einrichten wollte, ließ sich nicht verwirklichen. "Das Kaufhaus bleibt der Dreh- und Angelpunkt", sagt Wirtschaftsförderin Andrea Beres, die schon seit vielen Jahren in Gesprächen in die Vermittlerrolle zwischen Kaufhaus-Eigentümern und interessierten Investoren schlüpft.



Die Hinweisschilder, mit denen neue Mieter gefunden werden sollen, fallen auch bei einem Einkaufsbummel über die Piazza "Roter Turm" sofort auf. Hinter fünf Schaufenstern klingelt die Kasse derzeit nicht. Dirk Porzig vom gleichnamigen Immobilienunternehmen kümmert sich um die Verwaltung des Komplexes. Er beschreibt einen "Teufelskreis" für das Einkaufszentrum. "Wenn die Bevölkerung nicht zum Einkaufen in die Innenstadt geht, fehlt es an der Nachfrage. Dann agieren auch die Filialisten zurückhaltend. Wir brauchen als Kleinstadt für eine Belebung der Innenstadt einfach interessante Geschäfte", verdeutlicht Dirk Porzig.

Aus Sicht von Händler Andreas Näser vom gleichnamigen Optikgeschäft muss der Branchenmix verbessert werden. Im Stadtzentrum würde beispielsweise ein Herrenausstatter fehlen. "Ich vermisse irgendwie auch das Engagement und den Mut von Händlern zu einer Ansiedlung in Crimmitschau", sagt Andreas Näser zur Situation in der einstigen westsächsischen Einkaufs-Hochburg. In dieser Woche hat ein weiteres Geschäft, das sich in der Nähe der Innenstadt befindet, die Entscheidung über das Aus verkündet: Ende Februar schließen das Musikgeschäft "Biggys Music Shop" und die integrierte Modeschneiderei "Syrmatis". Der Schritt wird auch mit der negativen Entwicklung des innerstädtischen Handels begründet.

Für die Kunden, die den Weg in die Innenstadt finden, kann sich der Untergrund sogar zu einer Stolperfalle entwickeln. Die Platten der Fußgängerzone befinden sich in einem schlechten Zustand. Sie sind locker und in Einzelteile zerbrochen. Teilweise können die Gehwegplatten mit den Händen herausgenommen werden.

Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahren mit einer schrittweisen Sanierung begonnen. "Wir kranken jetzt an den Baumängeln der Vergangenheit und müssen die Flächen grundhaft sanieren", sagt Günther.

 
erschienen am 17.01.2012 ( Von Holger Frenzel )
 
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