Rund 500 Aussteller nehmen alljährlich am größten Nutzfahrzeug-Oldtimertreffen Deutschlands in Werdau teil. Präsentiert werden die Fahrzeuge auf der Westtrasse. Rund 500 Aussteller nehmen alljährlich am größten Nutzfahrzeug-Oldtimertreffen Deutschlands in Werdau teil. Präsentiert werden die Fahrzeuge auf der Westtrasse.

Foto: Thomas Michel/Archiv

Ifa-Oldtimertreffen darf auch künftig auf der Westtrasse stattfinden

Überraschende Zusage des Kreischefs ist mit Auflagen verbunden

Werdau. Besucher und Organisatoren des Ifa-Oldtimertreffens können aufatmen: Die Zukunft der traditionsreichen Veranstaltung ist gesichert. Darauf haben sich Landrat Christoph Scheuerer (CDU) und Oberbürgermeister Ralf Tittmann (parteilos) am Donnerstag bei einer Beratung hinter verschlossenen Türen im Rathaus geeinigt. Die Regelung gilt, bis die Westtrasse komplett fertig gestellt und zwischen den Autobahnen 4 und 72 befahrbar ist. Einen Termin dafür gibt's noch nicht.

Allerdings ist Scheurers Zusage an eine Bedingung gebunden: Die Stadt muss für mögliche Schäden aufkommen, die die alten Autos an der Straße verursachen. "Dazu wurde eine schriftliche Vereinbarung getroffen", sagte nach der Beratung der CDU-Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters Stefan Czarnecki. Er hatte nach einem Gespräch mit dem Landrat das Treffen im Rathaus organisiert und daran auch teilgenommen. "Die Regelung ist eine faire Lösung. Damit hat die Stadt für mehrere Jahre Planungssicherheit", sagt Czarnecki.

Auslöser der Unstimmigkeiten zwischen Stadt und Kreis war ein Verbot des Landrates, die Westtrasse ab 2013 als Veranstaltungsort für das Ifa-Oldtimertreffen zu nutzen. Scheurer begründete dies mit Schäden, die durch auslaufendes Öl oder Diesel der historischen Fahrzeuge verursacht würden und vom Landkreis repariert werden müssten. Laut Abnahmeprotokoll nach der jüngsten Veranstaltung wurde ein Ölfleck auf der Straße festgestellt. Das dementierte Scheurer in einem Interview mit "Freie Presse".

Inzwischen zog das mögliche Aus des Oldtimertreffens Kreise bis in die sächsische Landesregierung in Dresden. "Aus Sicht des Freistaates steht der Veranstaltung auf der Westtrasse nichts im Wege", sagte einen Tag vor der Beratung im Rathaus die Pressesprecherin des Wirtschaftsministeriums Kathleen Brühl. Damit erteilte das Ministerium dem Landrat eine Abfuhr. Denn: Eigentümer der Trasse ist der Freistaat, dem Kreis obliegt lediglich die Wartung der Straße. "Für die Genehmigung der Veranstaltung ist die Verkehrsbehörde im Rathaus zuständig", sagt Brühl weiter. Auf Unverständnis war Scheurers Entscheidung auch bei Roland Werner, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, gestoßen: "Ich halte die Veranstaltung für eine gute Möglichkeit, die Tradition des Autolandes Sachsen und der Stadt darzustellen."

Unabhängig von der Entscheidung, das Treffen vorerst weiter auf der Westtrasse zu veranstalten, sucht die Kommune nach einem Alternativstandort. "Wir prüfen momentan, ob sich dafür das Gelände um den alten Lokschuppen eignet. Derzeit sind wir in Gesprächen mit der Bahn", sagt Oberbürgermeister Ralf Tittmann.

Landrat Christoph Scheurer dürfte das abgerungene Zugeständnis, das Oldtimertreffen auf der Westtrasse nun doch fortzusetzen, nicht leicht gefallen sein. Hielt er doch über Monate hinweg hartnäckig an seiner Entscheidung fest. Unter dem Druck der Öffentlichkeit hat er schließlich nachgegeben. Kritik gab es nicht nur von Landtags- und Bundestagsabgeordneten der eigen Partei, sondern auch von Teilnehmern und Besuchern der Veranstaltung. Offenbar befürchtete Scheurer, dass sein Nein die CDU-Stimmen bei den Oberbürgermeisterwahlen nächste Woche hätte kosten könnte.

Die Christdemokraten wollen ins Rathaus einziehen und dort die Linken ablösen, die bis zum Austritt des Amtsinhabers aus der Partei über mehrere Jahre das Sagen hatten. Doch es geht um mehr. Mit Werdau und Zwickau gibt es im Kreis zwei Städte, in denen sächsische Automobilgeschichte geschrieben wurde. Daran musste der Landrat erst erinnert werden.

Das Ifa-Oldtimertreffen wurde in diesem Jahr zum 15. Mal veranstaltet. Gedacht war die Veranstaltung einst als Ergänzung zu einer Ausstellung im Museum. Die Schau beschäftigte sich 1998 mit dem Jubiläum "100 Jahre industrieller Fahrzeugbau". An der Auftaktveranstaltung nahmen 78 Aussteller teil. In diesem Jahr wurden 500 Teilnehmer und 15.000 Besucher gezählt. Damit ist die Veranstaltung das größte Oldtimertreffen von Nutzfahrzeugen in Deutschland.

Bei der Veranstaltung kehren die teilnehmenden Fahrzeuge an den Ort zurück, an dem sie einst vom Band rollten. Das macht den besonderen Reiz der Veranstaltung aus.

Die ersten Treffen fanden auf dem ehemaligen Gelände des Kfz-Werkes statt. Ein Großteil des Areals wurde abgerissen. Heute verläuft dort die Westtrasse. Auf dem Werdauer Teilstück der noch unvollendeten Straße treffen sich die Oldtimer.

 

 
erschienen am 01.06.2012 ( Von Uwe Mühlhausen )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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