Museumsmitarbeiter Stefan Kerat hat die beiden demolierten Radios aus der Dorfbäckerei noch in seiner Werkstatt und versucht zu retten, was zu retten ist. Die Bespannung wurde mit Faustschlägen zerstört.
Foto: Thomas Michel
Museum besuchen auch Langfinger
Zunehmende Zerstörungswut sorgt für Bedenken
Blankenhain. Von der historischen Stecknadel bis zum Agrarflieger haben Stefan Kerat und Rüdiger Hottas alles katalogisiert, was an Inventar zum Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain gehört. "Rund 50.000 Exponate kommen da locker zusammen. Wobei wir etwa eine gedeckte Kaffeetafel in der Schlossetage nur als ein Exponat zählen, sonst wären es noch weitaus mehr", sagt Stefan Kerat. Was die Mitarbeiter nach Saisonende auch erfassen, sind die gestohlenen Dinge.
"Das sind zum Beispiel Bleistifte aus der Amtsstube im Müllerhaus, Tankdeckel mit dem Ifa-Symbol, ausgestopfte Vögel aus der Schlossetage, Schwalbe-Blinker, ein Vergaser vom Lanz-Bulldog, historische Schrankbeschläge. Die Liste der Diebstähle ist lang", sagt der Leiter der Einrichtung, Jürgen Knauss. Wobei er den Schaden, der dem Haus dabei entsteht, nicht beziffern kann. "Viele Dinge können wir aufgrund unseres großen Fundus ersetzen. Aber irgendwann ist auch der mal erschöpft." Er teilt die Diebstähle in Souvenir- und Bedarfsklau. Ärgerlich seien sie allemal.
Was dem Museumschef aber noch mehr Sorgen macht, ist der zunehmende Vandalismus, der zu Zerstörungen vor allem in den Außenstellen führt. Immerhin hat die Einrichtung 28 Einzelbaugruppen von Försterei bis Mühle. So wurden im Kleinbauernhof mehrfach die Absperrungen überklettert. "Die Randalierer haben Tassen auf den Boden geschmissen, die Betten durchwühlt, die LPG-Bauernwohnung verwüstet", zählt Jürgen Knauss auf. In der Dorfbäckerei wurden Dinge aus dem Schlafzimmer in der Wohnung verstreut, darauf herumgetrampelt, in der Abstellkammer zwei historische Radios demoliert. "Es trifft vor allem unsere weiter abgelegenen Außenobjekte. Doch jemanden auf frischer Tat zu ertappen ist schwierig." Anzeige werde in fast allen Fällen, ob Diebstahl oder Vandalismus, erstattet. "Wenn das Diebesgut irgendwo wieder auftaucht, dann ist es uns zuzuordnen."
Das Landwirtschaftsmuseum will in Zukunft verstärkt sogenannte Erklärer oder Hausdienste in den besonders gefährdeten Objekten einrichten. "Das sind Pauschalkräfte, die zu bestimmten Zeiten vor Ort sind und den Besuchern den Bereich zeigen und erklären. Vor allem an den Wochenenden wollen wir dieses Angebot ausbauen. Das bedeutet mehr Service für unsere Gäste. Und diejenigen, die nichts Gutes im Schilde führen, wissen, dass sie damit rechnen müssen, gestört zu werden." Auch noch mehr Aktionen als bisher soll es in einigen Außenobjekten geben. "Auf dem Kleinbauernhof zum Beispiel haben wir jetzt den Lehmbau und die Getreideverarbeitung mit angesiedelt. Da ist automatisch mehr Bewegung im Haus." An verschiedene Objekte sollen in Zukunft Bewegungsmelder installiert werden. Einige Bereiche sind schon jetzt mehrfach gesichert. "Eines unserer Depots hat zum Beispiel drei Schließanlagen. So etwas schreckt Randalierer und Einbrecher ab", sagt Jürgen Knauss.
Sollte die Zerstörungswut einiger weniger Besucher zunehmen, malt der Museumschef ein düsteres Bild. "Dann müssen wir alle unsere Außenobjekte verschließen und können nur noch Führungen dafür anbieten. Das ist allerdings nicht gewollt, den wir möchten zeigen, wie die Landbevölkerung gelebt und gearbeitet hat. Und das zum Anfassen, ohne Sperren."


