Wolfgang Enders steht auf einer Brücke, die über den Neumarker Bach führt. Parallel zu dem Gewässer, nur durch einen Weg getrennt, verläuft der Mühlgraben. Im Hintergrund sind die Felder zu sehen, durch die künftig die Westtrasse verläuft.
Foto: Thomas Michel
Naturliebhaber legt sich mit Behörde an
Vier Wochen lagen in der Gemeinde Fraureuth die Unterlagen für den geplanten Verlauf der Westtrasse auf Ruppertsgrüner Flur aus
Ruppertsgrün. Während in der kommenden Woche der Bau zum Lückenschluss der Westtrasse zwischen Werdau und der Ortsumfahrung von Crimmitschau vorbereitet wird, lässt der Startschuss auf dem fehlenden Teilstück auf Fraureuther Flur noch ein Stück auf sich warten . Der Grund: Mehrere Bürger haben gegen den geplanten Verlauf auf dem Territorium von Ruppertsgrün Einwände erhoben. Einer von ihnen ist Wolfgang Enders. Er wohnt am Rande des Landschaftsschutzgebietes Römertal.
Sein Kritikpunkt ist die geplante Ableitung des Oberflächenwassers eines Teilstückes der neuen Straße. Das soll entlang des Höllenweges in einem Kanal dem Neumarker Bach zugeleitet werden. Dagegen erhebt der Naturliebhaber Einspruch. Sein Vorschlag: Das Wasser in den Mühlgraben zu führen. Der verläuft unmittelbar vor dem Neumarker Bach. "Der Mühlgraben ist ein wertvolles Biotop im Landschaftsschutzgebiet und wurde erst vor ein paar Jahren aufwändig in Stand gesetzt", sagt Wolfgang Enders. Allerdings führt der Mühlgraben kein Wasser, da der auf Gospersgrüner Flur liegende Teil bereits vor einigen Jahren zugeschüttet wurde. "Darunter leiden besonders die Bäume entlang des erhalten gebliebenen 800 Meter langen und 3 Meter breiten Teilstückes. Durch die Zufuhr des Wassers könnte die Versorgung der dortigen Bäume verbessert werden", sagt Enders. Am Ende des Mühlgrabens an der Mühlenstraße in Ruppertsgrün ist noch das alte Staubecken vorhanden. Von dort führt ein verrohrter Kanal in den Neumarker Bach.
Enders wirft ein weiteres Argument in die Waagschale. In den zurückliegenden Jahren hat sich der Zustand des Neumarker Baches erheblich verbessert. In dem Gewässer leben inzwischen wieder Forellen und andere Fischarten. "Durch das verunreinigte Oberflächenwasser, das nach den Planungsunterlagen dem Bach direkt zugeführt wird, könnte sich der Zustand des Gewässers binnen kurzer Zeit wieder verschlechtern. Dagegen würde der Mühlgraben eine Art Filterfunktion übernehmen und somit das Oberflächenwasser reinigen, bevor es dem Bach zugeführt wird", sagt der Steinpleiser.
Mit seinem Vorschlag hat sich Wolfgang Enders bereits an das Landratsamt gewandt und ist bei der Unteren Naturschutzbehörde auf offene Ohren gestoßen. "Durch die Einleitung des Oberflächenwassers in den Mühlgraben wird der Wasserrückhalt in der Landschaft verbessert", heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Allerdings müsse noch geprüft werden, ob der Mühlgraben in seinem jetzigen Zustand die prognostizierten Wassermengen aufnehmen kann. Dagegen lehnt die Behörde eine dauerhafte Wasserführung ab. "Das wäre auch nicht der Fall, sondern nur nach Regenfällen oder dem Ende des Winters", sagt Wolfgang Enders. Er will seinen Vorschlag, den er bereits schriftlich bei der Landesdirektion eingereicht hat, während des Erörterungstermins zum geplanten Straßenbauvorhaben verteidigen.

