Landrat Christoph Scheurer, Landrat.

Foto: Marcus Richter/Archiv

Oldtimertreffen in Werdau: Landrat lenkt nicht ein

Westtrasse bleibt künftig als Veranstaltungsort tabu - Zukunft unklar

Werdau. Das Ifa-Oldtimertreffen wird zum Politikum. Die Fronten zwischen Stadt als Veranstalter und Landkreis als Genehmigungsbehörde verhärten sich. Uwe Mühlhausen sprach mit Landrat Christoph Scheurer (CDU) über die Gründe der Unstimmigkeiten.

Freie Presse: Die jüngste Auflage des Ifa-Oldtimertreffens war mit über 500 Ausstellern und mehr als 15.000 Besuchern die erfolgreichste in der 15-jährigen Geschichte der Veranstaltung. Dennoch lehnen Sie ab 2013 die Westtrasse als Veranstaltungsort ab. Bleiben Sie bei Ihrem Nein?

Christoph Scheurer: Es gibt zu dem Thema seit längerem einen Schriftwechsel zwischen mir und dem Oberbürgermeister von Werdau. Dem Rathaus ist bereits seit Jahren bekannt, dass es sich bei der Bewilligung, die Veranstaltung auf der neu gebauten Staatsstraße abzuhalten, nur um eine zeitlich begrenzte Genehmigung handelte. Die Stadtverwaltung wurde von mir im September des Vorjahres letztmalig aufgefordert, sich nach einer alternativen Fläche umzuschauen. Das ist bisher offenbar nicht geschehen. Ich habe nichts gegen das Ifa-Oldtimertreffen, doch die Straße ist nicht gebaut worden, damit darauf Autos parken. Bei den Fahrzeugen, die zur Veranstaltung anreisen, handelt es sich um ältere Modelle, die auch Betriebsmittel verlieren und auf dem Asphaltbelag ihre Spuren hinterlassen. Für die Beseitigung der Schäden muss der Landkreis aufkommen.

Sie sprechen von auslaufenden Betriebsmitteln. Bei mehr als 500 teilnehmenden Fahrzeugen wurde nach dem dreitägigen Treffen lediglich an einem Standort ein Ölfleck festgestellt. Das geht aus dem Abnahmeprotokoll hervor, das der "Freien Presse" als Kopie vorliegt.

Mir liegen von zuständigen Stellen in der Kreisverwaltung andere Informationen vor. Wir wissen heute noch nicht, wie sich genau die Schäden, die durch die auslaufenden Betriebsmittel verursacht werden, auf den Zustand der Fahrbahn auswirken. Doch wir können nicht zulassen, dass die Straße bereits wieder in Stand gesetzt werden muss, bevor diese überhaupt durchgängig befahrbar ist. Bezahlen muss das der Steuerzahler und damit jeder Bürger im Landkreis. Das kann ich nicht verantworten.

Mit einer durchgängigen Befahrbarkeit der Trasse ist auch in den nächsten drei, vier Jahren nicht zu rechnen. Könnte nicht wenigstens solange die Veranstaltung auf dem Werdauer Teilstück weiter stattfinden?

Ich möchte nochmals betonen, dass es sich bisher nur um eine Ausnahmegenehmigung handelte. Es war nie die Rede davon, dass die Veranstaltung auf der Straße stattfinden kann, bis die durchgängig befahrbar ist. Das war dem Rathaus von Anfang an auch klar.

Der Oberbürgermeister beteuerte mehrfach, dass er sich um einen alternativen Standort bemüht hat, es diesen aber nicht gibt. Können Sie einen nennen?

Das ist als Landrat nicht meine Aufgabe. Wenn die Stadt eine derartige Großveranstaltung organisieren will, muss sie dafür auch die Voraussetzungen schaffen.

Oldtimer Dicht an dicht standen die Aussteller während des Ifa-Oldtimertreffens Anfang Mai. Wo die Veranstaltung 2013 stattfindet, ist unklar.

Foto: Thomas Michel

Mehrere Ihrer Parteifreunde kritisieren, dass Sie die Veranstaltung seit Bestehen nicht einmal besucht haben, auch nicht, als dieses Jahr Ministerpräsident Stanislaw Tillich anwesend war.

An dem Tag, als Stanislaw Tillich in Werdau weilte, nahm ich an der Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Jugendblasorchesters in Bernsdorf teil. Ich habe das Oldtimertreffen schon als Privatperson besucht und weiß, wovon ich spreche.

Ministerpräsident Tillich zeigte sich bei seinem Besuch des Treffens Anfang Mai begeistert von der Veranstaltung. Inzwischen plädieren auch weitere CDU-Politiker, wie der Bundestagsabgeordnete Michael Luther und der Landtagsabgeordnete Jan Löffler dafür, die Veranstaltung fortzusetzen. Fühlen Sie sich mit Ihrer Meinung nicht im Abseits?

Ich bin ebenfalls für die Weiterführung der Veranstaltung. Doch dafür müssen die Voraussetzungen stimmen. Michael Luther und Jan Löffler haben bei mir um einen Gesprächstermin gebeten. Der findet in den nächsten Tagen statt. Dabei werden wir gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Sollte bei dem Treffen keine Lösung gefunden werden, heißt es, dass 2013 kein Oldtimertreffen mehr stattfinden wird?

Bei unveränderten Bedingungen wird es keine derartige Veranstaltung auf der Westtrasse mehr geben. Veranstalter ist die Stadt, Eigentümer der Westtrasse der Freistaat, der Landkreis ist für die Unterhaltung und Wartung zuständig. Sollte sich die Landesregierung in den nächsten Wochen klar äußern, dass einer Fortsetzung der Veranstaltung auf der Westtrasse nichts im Wege steht und sagen, wer für die Beseitigung der möglichen Schäden aufkommt, werde ich meine Entscheidung überdenken.

 
erschienen am 23.05.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
6
(Anmeldung erforderlich)
  • 31.05.2012
    14:28 Uhr

    einMensch: Nun ja, ganz so Unrecht hat der Herr Scheurer ja nicht. Er vertritt lediglich Interessen, die er vertreten sollte. Die Staatsstraße ist wirklich kein Parkplatz. Und Betriebsmittel eines stehenden Fahrzeuges verursachen nun einmal mehr Schäden, als die eines fahrenden Fahrzeuges. Ein Tropfen Öl auf einer bituminös gebundenen Fahrbahn richtet weniger Schaden an, als ein Ölfleck.
    Ich bin auch ein begeisterter Besucher dieses Festes, aber man sollte auch die Zuständigkeiten der Behörden beachten. Man sollte sogar dankbar sein, dass diese auch dieses Jahr wiederholt gelungene Veranstaltung dort stattfinden durfte.
    Holt alle mal bitte kurz tief Luft und überlegt besser, WO man dieses Treffen durchführen kann, ohne jemanden zu stören und den Schaden so gering, wie möglich zu halten

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  • 25.05.2012
    13:46 Uhr

    feuerstein: Ein bisschen befremdlich finde ich schon die eingefahrene Meinungen bei dem Thema. Jedem ist ja wohl bekannt, dass es wirtschaftlich um Werdau am schlechtesten im Landkreis bestellt ist. Die Gewerbegebiete in Meerane und Crimmitschau sind voll besetzt, in Werdau hingegen leer. Die einzige Möglichkeit dies zu ändern, ist der Autobahnzubringer Westtrasse. Wenn diese nun für Veranstaltungen gesperrt wird, verliert sie ihren Nutzen. Jetzt vielleicht ist es das Oldtimertreffen später dann vielleicht das Stadtfest oder Veranstaltung der anderen Städte auf der Westtrasse.

    Aber warum gibt es angeblich keine Standortalternativen?
    So kann man doch das freie Gewerbegebiet in Steinpleiss nutzen, Parkplatzflächen des Pleißencenter oder auch der Markt/Brühl in Werdau könnten als Veranstaltungsort dienen. Was spricht eigentlich dagegen das Treffen nicht in der Stadt zu veranstalten. Dürfen die Besucher nur die Westtrasse statt unseren schönen Markt kennenlernen? Vorallem könnten dann auch die kleinen Geschäfte, Restaurant und Cafés im Innenstadtbereich davon profitieren.

    Ich denke alle sind an einem Fortbestehen interessiert und es sollte schnellstens damit aufgehört werden nur zu polarisieren, vielmehr sollte endlich sich zusammengesetzt und nach einer zufriedenstellenden Lösung gesucht werden!

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  • 24.05.2012
    21:00 Uhr

    Purzl: Na wenn die Weststrasse aus Zucker ist, dann sollte man diese schleunigst das ganze Jahr für den Autoverkehr sperren, dann hält sie ewig.

    Spaß beiseite:

    Vielleicht sind es politische Gründe aus denen die Veranstaltung sterben soll.

    Es ist doch so: das Einzige, an was Medien und Politik an die Zeit zwischen 1949 und 89 erinnern, sind doch Mauerschützen und Stasispitzel. Alles andere wird todgeschwiegen. Mehr lernt doch die heranwachsende Generation nicht von der DDR.

    Da passt natürlich so eine Ostalgie-Veranstaltung nicht ins Konzept. Der CDU schon gleich gar nicht, steht sie doch mit allem was an die DDR erinnert und kein negatives Image hat auf Kriegsfuß.

    Deswegen appelliere ich an alle, die in der DDR gelebt, geliebt und gearbeitet haben: seid stolz, seid selbstbewußt! Natürlich waren die Umstände schwierig und die Ergebnisse nicht immer befriedigend. Aber ihr habt in einer Zeit in einem Land gelebt, dass es so nicht wieder geben wird.

    Also laßt doch den Leuten diese Veranstaltung! Die Nachfrage danach ist doch da! Und mal Hand aufs Herz Herr Landrat, dass ein paar Tropfen Öl an einem Wochenende der Straße mehr schaden als ganzjähriger Straßenverkehr, dass würde Ihnen doch noch nicht mal Ihre Großmutter glauben.

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  • 24.05.2012
    19:25 Uhr

    monk2212: Bin ich der einzige der sich fragt warum es diesen landrat überhaupt gibt? Für jeden müll wird irgendwo was gesperrt und dann kann man nicht mal ne straße für ein WE schließen, anscheinend gehts der region noch zu gut als das man auch solche veranstalter noch vergraulen muss. Aber vlt. hat ja der Veranstalter auch kein Parteibuch der cdu, da kann man es durchaus verstehen das da dicht gemacht wird^^

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  • 24.05.2012
    10:46 Uhr

    Ickerbocker: Wie recht mein Vorredner hat.
    Diese Veranstaltug findet ein einziges mal im Jahr statt. Man will hierdoch nicht ernsthaft behaupten, dass dadurch messbare Schäden an der Straße entstehen die auch zukünftig vorallem von LKWs genutzt werden soll, welche dadurch nicht mehr über Städte und Dörfer zur Autobahn tingeln müssen.
    Das ist schlichtweg fadenscheinig und vollkommen kopflos. Der Herr Scheurer sollte auch wissen, dass man sich seitens der STadt schon nach einem neuen Ort umgeschaut hat, bis jetzt aber nicht fündig geworden ist. So riesig ist die Stadt bekanntermaßen nicht. Im Übrigen, ich habe es in NRW erlebt, dass ganze Autobahnen für Volksfeste gesperrt werden können. Man will uns doch nicht ernsthaft weiß machen hier wäre nichts ähnliches mit einer "Staatsstraße" möglich?

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