Nachgerechnet: Die unterschiedlichen Angebote der Stadtwerke Werdau machen den Langenhessener Diethard Kührt nachdenklich.
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Panne verprellt Neu-Kunden
Stadtwerke wollen ab Januar auch die Ortsteile versorgen
Langenhessen. Bei der Wahl seines Stromlieferanten ist Diethard Kührt wählerisch. Bereits vor einigen Jahren zeigte der 40-Jährige dem in Langenhessen etablierten Anbieter Envia M die rote Karte und wechselte zur Kommunalen Energiedienstleistungsgesellschaft Südsachsen (KES) mit Sitz in Schneeberg. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss fünf lokaler Energieversorger, einer davon sind die Stadtwerke Werdau. "Ich wollte einen Energieversorger aus der Region und nicht einen Konzern, dessen Geschäftsabläufe schwer durchschaubar sind", sagt der Langenhessener. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. Bis vor ein paar Tagen.
Am 19. Oktober erhielt Diethard Kührt von seinem Stromanbieter ein Schreiben. Darin teilte die KES ohne Angaben von Gründen mit, dass sie per 31. Dezember 2011 ihre Vertriebsaktivitäten einstellt und kündigte den Vertrag. Zugleich empfahl die KES, zu einem der fünf Partnerstadtwerke zu wechseln. Keine Woche später erhielt das Ehepaar Kühnert einen Brief der Stadtwerke Werdau. Darin unterbreitet das Unternehmen ein Angebot für sein Produkt "Strom regio flexibel". Die dabei entstehenden Kosten, so teilte das Unternehmen mit, würden denen der KES entsprechen. Diethard Kührt rechnete nach. Sein Ergebnis: Bei einem Verbrauch von durchschnittlich 3060 Kilowattstunden pro Jahr bezahlte er bei der KES bisher 806,58 Euro, bei den Stadtwerken würde er für die gleiche Menge 806,46 Euro bezahlen. "Das war ein faires Angebot."
Doch die Freude währte nur kurz. Am 2. November klingelt bei Familie Kührt das Telefon. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Werdau war dran und teilte mit, dass das vorangegangene Schreiben hinfällig sei. Die dort veröffentlichten Tarife würden nur für Kunden im Netzbereich der Envia M gelten. Langenhessen gehöre ab 1. Januar zum Versorgungsgebiet der Stadtwerke. Folglich würden für die Kunden in dem Ortsteil die gleichen Tarife wie für die Bürger von Werdau gelten. Und die würden noch schriftlich mitgeteilt.
Das Schreiben mit dem aktualisierten Angebot fand Diethard Kührt bereits am nächsten Tag im Briefkasten. Erneut begann er zu rechnen und kam diesmal auf einen jährlichen Betrag von 829,33 Euro, knapp 23 Euro mehr als bei der KES und dem alten Stadtwerke-Angebot. "Der Grundpreis im neuen Angebot der Stadtwerke war mit 11,20 Euro doppelt so hoch wie im ersten Schreiben." Der Langenhessener findet das ungerecht. "Egal ob ich künftig Strom spare oder nicht, mit dem hohen Grundpreis bin ich immer der Verlierer", sagt der 40-Jährige.
Er fühlt sich von den Stadtwerken unfair behandelt. "Nehme ich das Angebot nicht an, rutsche ich am 1. Januar automatisch in die Grundversorgung der Stadtwerke. Dieser Tarif ist noch teurer und würde bei jährlich knapp 900 Euro liegen", sagt Kührt. So weit will er es nicht kommen lassen und hat sich bereits jetzt für einen Stromlieferanten aus Baden-Württemberg entschieden. "Da spare ich jährlich rund 100 Euro", sagt der 40-Jährige.
Steffen Pause, Geschäftsführer der Stadtwerke Werdau, ist das Ganze peinlich: "Hierbei handelt es sich um einen Fehler, der im eigenen Haus passiert ist. Das im ersten Brief unterbreitete Angebot hat seine Gültigkeit." Der Stromversorger will sich in den nächsten Tagen noch einmal mit Diethard Kührt in Verbindung setzen. Ob weitere (Neu-)Kunden betroffen sind, konnte Pause nicht sagen. "Das werden wir im Unternehmen klären und die betroffenen Personen informieren", kündigt der Stadtwerke-Geschäftsführer an.


