Am Dienstagnachmittag schwebte der obere Teil der rissigen Fichte über die Buden des Weihnachtsmarktes.
Foto: Thomas Michel
Prächtige Fichte auf dem Markt verabschiedet sich vorm Fest
Aus der Traum vom Weihnachtsbaum: Riss spaltete den Stamm
Werdau. Mario Pillath hat den langen Riss im Stamm der schlanken Fichte auf dem Werdauer Markt schon seit einigen Tagen mit Sorge betrachtet. Am Dienstag, als der Wind mit fast 60 Sachen pro Stunde heftig auffrischte, schlug der 33-Jährige, der genau vor dem Baum seine Roster-Bude hat, Alarm: "Der Baum wankte und neigte sich bedenklich. Es musste etwas passieren", sagte der gelernte Zimmermeister, der Chef des Gartenheimes in Werdau-West und zum ersten Mal Händler auf dem Werdauer Weihnachtsmarkt ist. Auch Mitarbeiter des Rathauses hatten gesehen, dass sich der Baum langsam in eine Schieflage bewegte.
Kurz nach dem Mittag rückte die Werdauer Feuerwehr mit der Drehleiter an, um die vier Lichterketten und den Zierstern von der Fichte herunter zu nehmen. Gegen 14 Uhr rollte der Kran der Firma Horn aus Langenhessen auf dem Markt vor. Feuerwehrchef Jürgen Daßler dirigierte im Drehleiter-Korb Andreas Zimmermann heran an den Stamm. In zirka drei Metern Höhe sägte der Chef der Ortsfeuerwehr Langenhessen den Baum durch. Dann bugsierte ihn Christian Wenig per Kran mit Fingerspitzengefühl auf das Marktpflaster. "Weihnachtsbäume aufgestellt habe ich schon einige, umgelegt noch keinen", meinte der Kranführer, der seit zwölf Jahren in der hiesigen Firma beschäftigt ist. Die Marktbuden rund um den Baum wurden während der Fällaktion aus Sicherheitsgründen geschlossen. Nach einer knappen halben Stunde war alles erledigt.
"Die Sicherheit der Besucher und der Händler geht ganz einfach vor, zumal der Sturm in dieser Woche ja noch zunehmen soll", sagte der Leiter des städtischen Bauhofes, Dieter Theis. "Da kann man nicht darauf vertrauen, dass schon nichts passieren wird." Jetzt noch einen neuen Baum anzuschaffen, lohne sich auch nicht mehr, denn der Weihnachtsmarkt schließt Sonntagabend seine Pforten. "Es ist bedauerlich, aber nicht zu ändern."
Eigentlich war vorgesehen, die 15 Meter hohe Fichte aus dem Werdauer Wald, die am 21. November aufgestellt worden war, traditionell bis zum 6. Januar leuchten zu lassen. Nun endet der Traumbaum, der die Stadt 80 Euro gekostet hat, als Feuerholz und wird erst einmal auf dem Friedhof zwischengelagert. "Weihnachtsmärkte finden seit 1651 in Werdau statt. 1928 wurde erstmals ein Baum auf dem Marktplatz errichtet. Eine Fällung war bislang allerdings nie nötig gewesen. Jedenfalls findet sich nichts darüber in den historischen Unterlagen", sagte Rathaussprecher André Kleber.


