Thomas Heimpold hält eine Zeichnung in der Hand, die eine historische Innenansicht der St.-Annen-Kirche zeigt. Aus welcher Zeit die Zeichnung stammt, ist nicht belegt.
Foto: Thomas Michel
Sachsens kleinste Hallenkirche putzt sich für 500-Jahr-Feier raus
Spätgotisches Gotteshaus ist in seiner Art im Freistaat einmalig
Ruppertsgrün. Die Besonderheiten der St.-Annen-Kirche sieht man dem Gotteshaus auf den ersten Blick nicht an. Äußerlich unterscheidet sich die Kirche kaum von anderen. Dabei zählt das Gebetshaus, zwischen 1513 und 1515 erbaut, zu den bedeutendsten Baudenkmälern in Sachsen.
Errichtet im Baustil der Spätgotik, weist das Haus die typischen Merkmale der großen Hallenkirchen auf, wie sie in Schneeberg (1516 gebaut) oder Annaberg-Buchholz (1499) zu finden sind. "Bei uns ist nur alles eine Nummer kleiner. Das macht die Kirche in ihrer Art einmalig", sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Thomas Heimpold. Typische Merkmale der sächsischen Hallenkirchen sind die einheitliche Raumgestaltung und die umlaufende Empore. "Außerdem sind Schiff und Chor gleich hoch und haben die gleiche Breite wie das Langhaus."
All die Besonderheiten sollen wieder in den Blickpunkt gerückt und das altehrwürdige Gotteshaus aus Anlass des 500-jährigen Bestehens in mehreren Etappen saniert werden. Begonnen wurde damit bereits im Vorjahr. 2011 erhielten die Außenwände im unteren Bereich eine Dernontonabdeckung. Anschließend wurde der Putz in der Kirche bis auf eine Höhe von zwei Metern abgetragen und durch eine atmungsaktive Schicht ersetzt.
Jetzt soll ein Konzept zur Temperierung des Gebäudes umgesetzt werden. Dazu gab es im Vorfeld ein Jahr lang in der Kirche Messungen, um den exakten Wärmebedarf zu ermitteln. Bisher wird die Kirche im Winterhalbjahr nur zweimal in der Woche mit einer zu DDR-Zeiten eingebauten Gasheizung erwärmt. Das kurzzeitige Heizen führt zu erheblichen Temperaturschwankungen und damit auch zu Schäden im Haus. "Ein Dauerbetrieb ist aus Kostengründen nicht möglich." Derzeit werde geprüft, welche Variante die optimale ist. "Wenn wir wissen, welche Fördergelder bewilligt werden, fällt die Entscheidung." Als nächstes Vorhaben ist die Restaurierung der Kanzel geplant. Die drei Bilder - Sündenfall, Kreuzigung und Auferstehung - stammen noch aus der Zeit, als das Haus erbaut wurde. "Lediglich der orangefarbene Anstrich ist nicht original."
Anschließend sollen die Wände und das Gewölbe in der Kirche, die 1964 geweißt wurden, ihren ursprünglichen Farbanstrich erhalten. "An einigen Stellen haben die Restauratoren noch Reste der Originalfarbe gefunden." Es folgt die Restaurierung des Altars aus dem Jahr 1870. Die Figuren kamen erst 1905 dazu. Holzwürmer haben dem Altar arg zugesetzt. Deren Treiben soll ein Ende gesetzt werden.
Als Letztes ist eine Sanierung der fünf Säulen im Kirchenschiff geplant. Als Baumaterial für die jeweils 1,80 Meter hohen Stützen wurde einst Zwickauer Kohlesandstein verwendet. Das Material, das teilweise auch beim Bau des Zwickauer Doms eingesetzt wurde, ist heute nicht mehr vorhanden. "Genau das ist das Problem, für das wir derzeit noch keine Lösung haben", sagt der 59-Jährige. Nach groben Schätzungen kosten die Arbeiten insgesamt rund 250.000 Euro. Ein Teil davon muss die 350 Mitglieder zählende Kirchgemeinde von Ruppertsgrün (1350 Einwohner) aufbringen. Keine leichte Aufgabe, die die Kirchgemeinde dennoch meistern will. "Wenn wir unser Ziel nicht bis zum Jubiläum schaffen, sondern erst ein Jahr später, ist das auch in Ordnung", sagt Heimpold.


