K. Hüttner Fiel positiv auf: Die Gestaltung der Schaufenster des "Schuhtick" von Katrin Hüttner auf dem Markt. Schlecht sind die Treppen im Eingangsbereich.

Foto: Thomas Michel

Service hält Händler am Leben

Wie wird sich der Handel in Werdau in den kommenden Jahren wandeln?

Werdau. So viel Service wie nur möglich. Das ist das Rezept, mit dem die Läden und Lädchen in Werdau in den kommenden Jahren überleben könnten. Vor rund 30 Einzelhändlern hat Manfred Bauer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) Dresden, am Montagabend ein Einzelhandelskonzept vorgestellt, das die Stadt in Auftrag gegeben hat.

Fazit: Die Lage des Einzelhandels in Werdau ist momentan nicht rosig und wird es auch bis 2020 - so der Prognosezeitraum - nicht werden. "Die Nähe zum Oberzentrum Zwickau macht es schwierig oder um in der Boxersprache zu reden: Hier kämpft Schwergewicht gegen Halbschwergewicht - und letzteres muss verdammt flink sein, um sich zu behaupten."

Rund 38.000 Menschen leben derzeit in dem Einzugsgebiet, das die GMA in den zurückliegenden Monaten untersucht hat. 2020 werden es 33.000 sein. "Das bedeutet einen Rückgang der Kaufkraft um zirka 26 Prozent", nannte Bauer die nüchternen Fakten, an denen er nicht zweifelt. Schon jetzt werde in Werdau rund ein Viertel weniger Umsatz gemacht als in einer vergleichbaren Stadt in Baden-Württemberg. "Ihre Kunden der Zukunft sind die Senioren. Auf die müssen Sie sich einstellen, aber nicht erst innerhalb der kommenden 30 Jahre, sondern so schnell wie möglich."

Doch damit sieht es in Werdau nicht nur entlang der August-Bebel-Straße oder am Markt ziemlich finster aus. "Überall sieht man Treppen, doch jede Stufe kostet zwei bis drei Prozent Umsatz." Auch weite Wege zwischen Auto und Geschäft seien Gift. "Der normale Kunde ist bereit, 200 Meter zu laufen." Nur mit Service in jeder Form könnten die Einzelhändler in Zukunft bestehen. "Sie müssen einen Service-Standard kreieren, sich fragen, womit Sie künftig werben möchten."

Mit der Umsetzung des Verkehrskonzeptes für die Innenstadt unternehme man Schritte in die richtige Richtung. Wo Läden seien, dürfe nicht der Verkehr fließen. Ruhezonen, breite Fußwege, Radwege, beruhigter Verkehr seien gut für Handel und Gewerbe. "Das Verkehrskonzept für die Innenstadt ist ja bereits auf den Weg gebracht", sagte Oberbürgermeister Ralf Tittmann (Die Linke). "Nun muss es so schnell wie möglich umgesetzt werden." Auch das Einzelhandelskonzept werde der Stadtrat beschließen. Anfang des nächsten Jahres sollten sich die Händler zusammenfinden, um ihre Vorschläge und Ideen in das Konzept einfließen zu lassen. Die bekundeten am Montag großes Interesse.

 
erschienen am 25.10.2011 ( Von Annegret Riedel )
 
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