Stadionausbau: Prüfer raten zum Rückzieher

Rohbauarbeiten müssen neu vergeben werden

Crimmitschau. Eine Panne bei der Auftragsvergabe für den Neubau des Mehrzweckgebäudes im Kunsteisstadion im Sahnpark treibt den Verantwortlichen im Crimmitschauer Rathaus Sorgenfalten auf die Stirn. Ein Großteil der Arbeiten muss neu vergeben werden, obwohl bereits vor fünf Wochen der Grundstein für das Vorhaben gelegt wurde. Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau) will am 24. September im Stadtrat den Vergabebeschluss aufheben lassen, wonach die Firma Fritzsch-Bau aus Reinsdorf für 925.000 Euro mit den Rohbauarbeiten beauftragt wurde.

Diese Entscheidung hat das Stadtoberhaupt nach Rücksprache mit der Landesdirektion in Chemnitz getroffen. Der Grund: Das Unternehmen aus Reinsdorf will mehr als die Hälfte der Bauleistungen von Subunternehmen ausführen lassen. Das aber verbietet das Vergaberecht. "Wir haben die Auftragsvergabe auf Wunsch der Stadtverwaltung kontrolliert und der Kommune zur Aufhebung des Beschlusses geraten.", sagt Olaf Weiß, Pressesprecher der Landesdirektion. Er kennt auch den Grund für die Vorsicht in Crimmitschau: Für die Erweiterung des Kunsteisstadions sollen Fördergelder der Europäischen Union eingesetzt werden. "Die Prüfer der EU achten sehr genau auf das Vergaberecht. Deshalb kann es bei Fehlern auch zur Rückforderung von Zuschüssen kommen", sagt Olaf Weiß.

Über mögliche Ursachen für den Schnitzer in Crimmitschau will der Sprecher der Landesdirektion nur ungern sprechen. "Die Stadt wollte schnell beginnen. Der zweite Schritt wurde wohl vor dem ersten Schritt gemacht", so Weiß. Damit beschreibt er die hektische Eile bei der Projektvorbereitung. Damals liefen Planungen und die Ausschreibungen beinahe parallel.

Die Kommune will nun erst einmal Schadensbegrenzung betreiben. Per Eilvergabe hat Holm Günther kleinere Aufträge für die Versetzung der Toilettencontainer und den Durchbruch der Treppenanlage verteilt. Der Zuschlag ging ebenfalls an Fritzsch-Bau. Auch mit der Verlegung von Leitungen und mit Probebohrungen kann begonnen werden.

Der Vorteil: Damit werden fünf Wochen nach der großartig gefeierten Grundsteinlegung, zu der Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) in Crimmitschau war, wenigstens die vorbereitenden Arbeiten ausgeführt und der Zeitplan kommt nicht völlig durcheinander. Die Stadträte sollen sich am 24. September wieder mit Auftragsvergaben für das Mehrzweckgebäude befassen. Crimmitschau will die Arbeiten dann in kleineren Losen vergeben und damit die 50-Prozent-Grenze im Vergaberecht umgehen. "Am Fertigstellungstermin für den Rohbau bis zur 51. Kalenderwoche halten wir fest", sagt Götz Müller, Fachbereichsleiter Bau in der Stadtverwaltung in Crimmitschau.

Das Mehrzweckgebäude entsteht hinter der Nordtribüne. Es soll künftig vier Mannschaftskabinen und die Garagen für Eismaschinen beherbergen. Im alten Hauptgebäude im Sahnpark reicht der Platz für die Sportler nicht mehr aus.

 
erschienen am 14.09.2009 ( Von Holger Frenzel )
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