Baustelle Am Freitag soll der letzte der einst vorhandenen 13 Holzbalken aus der Verankerung gehievt werden.

Foto: Thomas Michel

Werdau: Vom Webalu steht nur noch die Hülle

Hallen- und Freibad wird seit dem 30. April saniert

Werdau. Jens Schubert weiß im Moment nicht, wo ihm der Kopf steht. Der Objektleiter der Werdauer Badelust, kurz Webalu genannt, wirbelt derzeit über das Gelände der Freizeiteinrichtung an der Ziegelstraße. Dort gibt es momentan gleich mehrere Baustellen: Zum einen wird der Außenbereich der Sauna neu gestaltet und um eine weitere Blockhütte ergänzt, zum anderen wird die Dachkonstruktion über dem Bad erneuert. "Die Firmen geben sich die Türklinken in die Hand. Jede von ihnen hat unzählige Fragen, auf die sie möglichst sofort eine Antwort erwarten", sagt Schubert.

Sich darauf zu konzentrieren fällt ihm schwer. "Beim derzeitigen Anblick des Bades wird mir ganz flau im Magen." Von dem Webalu, wie es Jens Schubert und die bisher knapp 1,7 Millionen Besucher kannten, ist im Moment nicht viel zu sehen. Die Fassade ist eingerüstet, die Becken im Innenbereich leer und mit Vlies ausgelegt. Der Boden ist komplett mit Holzplatten bedeckt, um die Becken herum stehen Absperrgeländer. "All das ist notwendig, um Baufreiheit für die Demontage des Daches zu haben", sagt Schubert.

Baustelle Die Demontage der Dachkonstruktion erweist sich schwieriger als gedacht.

Foto: Thomas Michel

Das eigentliche Dach, bestehend aus einer Membranfolie, ist bereits verschwunden. Am Freitag soll der letzte der 13 Leimbrettbinder, wie die Deckenbalken mit Fachausdruck heißen, aus der Halterung gehoben werden. "Die Arbeiten gestalten sich komplizierter als gedacht. Bei der Demontage darf die Gebäudehülle nicht beschädigt werden", sagt Schubert. Ursprünglich war geplant, die insgesamt 29 Meter langen Balken komplett im Stück aus der Halterung zu heben. "Das ist aus technologischen Gründen nicht machbar. Ersichtlich wurde das erst während der Arbeiten, da nur unvollständige Bauunterlagen vorhanden sind." Die Leimbrettbinder wurden beim Errichten des Bades an sogenannte Stallschuhe angeschraubt, die anschließend in die Fassade einbetoniert wurden. Da die Stallschuhe wieder als Auflagen für die neue Dachkonstruktion benötigt werden, müssen Balken vor und nach den Halterungen abgesägt werden. "Das kostet zusätzliche Zeit, die wir nicht haben", sagt Schubert.

Parallel zu den Arbeiten war in dieser Woche noch einmal ein Gutachter anwesend, der bei der Demontage der Leimbrettbinder genau aufpasste und jeden Vorgang exakt dokumentierte. Denn noch immer befindet sich die Betreibergesellschaft des Bades, die Firma Sport und Freizeit, mit dem Unternehmen, das für die Mängel an der Dachkonstruktion verantwortlich ist, in einem Rechtsstreit. Durch die Ansammlung von Kondenswasser an mehreren Auflagen der 13 Deckenbalken wurde die Dach- konstruktion beschädigt. Das hatte zur Folge, dass sich bereits 10 Jahre nach der Einweihung des Bades eine Sanierung notwendig macht, deren Kosten im Millionenbereich liegen. Dafür muss vorerst die Freizeitfirma aufkommen.

Ist die Demontage des altes Daches abgeschlossen, beginnt nahtlos die Vorbereitung für die neue Konstruktion. Diese ist künftig aus Metall. "Wenn das Dach drauf ist, beginnen eigentlich die umfangreichsten Arbeiten", sagt Schubert. Dazu gehören neben der Erneuerung der Farbe an den Wänden im Bad und an der Fassade der Wiedereinbau der Verglasung der Fenster und anschließend das Großreinemachen. Das betrifft besonders die Edelstahlbecken im Außenbereich. Diese bleiben auch während der Bauphase mit Wasser gefüllt. Eine Vorsichtsmaßnahme. "Aufgrund des erhöhten Grundwasserspiegels auf dem Gelände besteht sonst die Gefahr, dass sich die leeren Becken heben", sagt Schubert.

Im Herbst soll das Webalu an der Ziegelstraße wieder Gäste empfangen. Mit denen will die Leitung des Bades die Wiedereröffnung und zugleich das zehnjährige Bestehen der Einrichtung feiern.

 
erschienen am 14.06.2012 ( Von Uwe Mühlhausen )
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