Vietnamesen Chemie, Physik, Mathe: Duc Son Nguyen, Quynh Duyen Tong und Thanh Nam Nguyen (von links) beschäftigen sich auch in ihrer Freizeit mit ihren Lieblingsfächern. Nach dem Abitur wollen sie eine akademische Laufbahn einschlagen. Ihre Chancen dafür stehen gut.

Foto: Thomas Michel

Zweite Generation verfolgt ehrgeizige Ziele

Junge Vietnamesen schaffen sehr gute Noten und wollen später als Pharmazeut, Mediziner und Architekt arbeiten - Beide Länder als Heimat

Werdau. Werdau. Rund 800 Vietnamesen leben im Landkreis Zwickau. Meist arbeiten sie als Obsthändler, Textilverkäufer, Imbissbetreiber, Schweißer oder Koch. Ihre in Deutschland geborenen Kinder können sich das kaum vorstellen. Sie streben nach Höherem und haben entgegen jeglicher Klischees beste Aussichten.

Später einmal todkranke Menschen zu heilen und ihnen mit Medikamenten Hoffnung zu geben - für Duc Son Nguyen sind das keine leeren Worte. Jeden Tag arbeitet er ehrgeizig auf sein Ziel hin. Nicht nur in der Schule, sondern auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich stundenlang mit Formeln, Reaktionen und Elementen. "Es sind die logischen Abläufe. Die Zusammenhänge spielen sich auf molekularer Ebene ab. Wenn man zum Beispiel zwei Stoffe zu einem zusammenmischt, vereint er beide Eigenschaften, besitzt aber dennoch keinen Nachteil", erklärt er in perfektem Deutsch. "Chemie ist einfach faszinierend." Auf der Note 1,8 steht er in der Schule. Worüber sich viele andere freuen würden, schätzt der 18-jährige Werdauer als noch zu schlecht ein. Daher nimmt er Nachhilfeunterricht und lässt sich von der Familie helfen.

1987 kamen seine Eltern in die ehemalige DDR. Das sozialistische Land brauchte Gastarbeiter. Dafür wurden die besten Vietnamesen ausgewählt. Nun arbeiten sie als Gemüsehändler. "Meine Eltern wollen, dass ich ein besseres Leben habe." Streng seien sie nicht, eher durch ihre harte Arbeit und ihre Einstellung zum Leben ein Vorbild.

Nur durch Urlaube kennt auch Quynh Duyen Tong ihr Heimatland Vietnam. "Wir bekommen von der Familie landestypische Traditionen beigebracht, etwa das Tet-Fest, unser Neujahrsfest", so die 15-Jährige. Trotzdem lege sie Wert auf typisch Deutsches. "Ich sehe beide Länder als Heimat an." Gemeinsam werde Weihnachten gefeiert. Zudem habe sie viele deutsche Freunde. "Wenn ich hier lebe, sollte ich mich integrieren und mich nicht kulturell abschotten. Wir wollen ja akzeptiert werden. Deswegen müssen wir uns den Normen und Werten unterstellen." Das Lieblingsfach der Zwickauerin ist Physik. Zudem mag sie Englisch und Biologie. Später wolle sie in den Bereich Medizin gehen und als Ärztin arbeiten. Ihr Notenschnitt: 1,6.

Laut einer Migrationsstudie des Vorjahres schaffen 68 Prozent der zweiten Generation das Abitur. Der Akademiker-Anteil sei im Vergleich zu deutschen Kindern doppelt so hoch. Gerade Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der vietnamesische Wurzeln hat, ist ein Vorbild, so auch für Thanh Nam Nguyen. In die Politik will er jedoch nicht gehen. Der 17-Jährige hat sich der Mathematik verschrieben und mag Funktionsgleichungen. Daher strebt er ein Architekturstudium an. Im Gesamtdurchschnitt kommt der Werdauer auf Note 1,8. Deutsch bereitet ihm Schwierigkeiten. "Manche Vokabeln fehlen mir eben, aber ich strenge mich sehr an", sagt er. Durch Lerngruppen verbessere er sein Wissen kontinuierlich. Dabei gehe es nicht nur um die Hilfe, sondern auch um die anspornende Konkurrenz. "Irgendwann möchte ich die Sprache perfekt können."

Service

Am Sonnabend, also eine Woche zeitiger, feiern die Vietnamesen der Region das Tet-Fest. Es findet im Koberbachcentrum Langenhessen an der Seelingstädter Straße statt. Beginn ist 19 Uhr, der Eintritt kostenlos.

 
erschienen am 04.02.2010 ( Von Georg Müller )
 
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