Martha Kresse Mit einer Lupe hat Martha Kresse die vielen Glückwunschkarten zu ihrem 103. Geburtstag gelesen.

Foto: Marcus Richter

103-Jährige trinkt noch gern einen Kräuterlikör

Martha Kresse lebt mit Familien von Sohn und Enkeln unter einem Dach

Schönfels. Schönfels. Martha Kresse, die am Sonnabend in Schönfels ihren 103.Geburtstag feierte, hat ein von Schicksalsschlägen geprägtes Leben hinter sich. Doch das sieht man der freundlichen Seniorin nicht an. Zwar kann sie nicht mehr viel reden, doch Sohn Helmut (73) und Tochter Hildegard Scharf (76) wissen davon zu berichten.

Als die Familie 1945 von ihrem Bauernhof in Schlesien vertrieben wurde, musste sie sich mit einem Pferdefuhrwerk und ein paar Habseligkeiten auf den Weg ins Ungewisse begeben. Ihr Mann Adolf, der verwundet in Kriegsgefangenschaft kam, wurde erst 1947 entlassen. Martha Kresse landete mit ihren acht- und elfjährigen Kindern zunächst in Bayern, wo sie von einem Ort in den anderen verfrachtet wurden.

"Plötzlich hieß es, man könne in die Heimat zurück. Und so machten wir uns wieder auf den Weg", erzählt der Sohn. "Dann hörten wir, dass die Grenze nach Polen geschlossen ist, und so endete unsere Reise schließlich in Schönfels." Die erste Unterkunft war der Saal im "Weißen Roß", dann die Burg Schönfels, später das Schloss. Und da Kresses aus der Landwirtschaft kamen, bewarben sie sich um eine Neubauernstelle. Mit Erfolg. Sie erhielten eine der zehn auf dem Land des damaligen Rittergutes. Doch 1956, als es um die LPG ging, gaben beide auf und arbeiteten in der Zwickauer Lackkunstharzfabrik. Als dann ihr Mann erkrankte, pflegte Martha Kresse ihn, bis er 1979 starb.

"Für unsere Mutter bedeutet die Familie alles", sagt der Sohn. So wohnen in dem schmuck hergerichteten, ehemaligen Inspektorhaus am Rande von Neu-Schönfels die Familien von zwei Enkeln, die das Gebäude gekauft haben. Außerdem der Sohn mit Ehefrau und die Jubilarin, die dort bestens betreut wird. Dass sie nicht mehr aus dem Haus kommt, macht ihr nichts aus. Sie hat ihren Humor nicht verloren. Ihr Leben versüßt sie sich ab und an mit einem Kräuterlikör und dem Naschen von Würfelzucker. "Beides müssen wir vor ihr verstecken, wenn es zu viel wird, denn sie ist zuckerkrank", verrät Helmut Kresse. Doch ganz darauf verzichten muss sie nicht. Was soll's, in dem Alter.

 
erschienen am 05.09.2010 ( Von Harald Toepel )
 
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