Das Siedlerheim kurz nach seiner Erbauung. Es war jahrzehntelang Mittelpunkt des Lebens im Viertel.
Foto: Repro: Ralph Köhler
Abriss an der Frühlingsstraße: Die Siedlung verliert ihr Wahrzeichen
Vor allem für die älteren Weißenborner stirbt damit ein Stück Stadtgeschichte
Zwickau. Die Weißenborner kennen das Haus Frühlingsstraße 26 eigentlich nur als ihr Siedlerheim. Auch wenn zuletzt ein griechischer Gastronom in der unteren Etage sein Glück gesucht hatte. Der Frühling wird nun für das markante Haus das Ende bringen. Nach der Explosion vom 4. November und den anschließenden Enthüllungen wird das Gebäude abgerissen.
Ruth Götz, seit 1926 Weißenbornerin, erinnert sich an die guten Tage in dem Haus, das 1930 eingeweiht wurde. "Unten rechts war die Gaststätte. In dem winzig kleinen Anbau war bis nach dem Krieg ein Frisör untergebracht, und links gab es einen Konsum", sagt sie. Je vier Wohnungen befanden sich im Ober- und im Dachgeschoss.
Dieses Bild des Siedlerheims hat sich eingeprägt.
Foto: Andreas Wohland
Von Anfang an diente die Gaststätte als Treffpunkt für die Siedler - und das nicht nur, weil in den Räumlichkeiten auch das Büro der Genossenschaft untergebracht war. Deswegen sagt Ruth Götz über den geplanten Abriss: "Es tut weh." Das tat es von Anfang an. "Als am 4. November das Haus explodiert ist, bin ich sofort hingelaufen. Ich habe gesagt: Das Wahrzeichen unserer Siedlung ist zerstört." Sie stand da mit Siedlern der zweiten und dritten Generation: "Es hat uns allen einen Stich gegeben."
Ruth Götz spricht von der Frau, die im Siedlerheim wohnte, als es in die Luft flog. "Ihre Eltern hatten hier mit gebaut. Sie selbst war nach dem Tod ihres Mannes wieder hierher gezogen." Ihr Vater hatte in seiner Wohnung einen Lebensmittelladen. "Da gab es alles: Hering in Gelee, Rosinen, Obst, und im Flur stand das Sauerkraut."
Noch zu DDR-Zeiten gab es einen Wirt im Siedlerheim, gab es Versammlungen. Und die Rente wurde ebenfalls in dem Gebäude ausgezahlt. "An diesen Tagen gab es dort immer einen Eintopf zum Mittag. Da mussten die Rentner nicht zuhause kochen. Alle haben zusammen gesessen. Das war wunderbar, richtig gemütlich." Dann kam die Wende. Und zwei Jahrzehnte später kamen die Terroristen.


